Deerskin und Papicha

Mit zwei Filmen aus den Nebenreihen des Festivals in Cannes ging die filmische Weltreise gestern weiter:

Deerskin von Quentin Dupieux ist eine hübsch-skurrile Petitesse mit drei Hauptdarstellern: Adèle Haenel als Barfrau Denise, Jean Dujardin als manischer Georges und vor allem eine Wildlederjacke von ausgesuchter Hässlichkeit.

Der Einfall hinter dieser nur 77 Minuten kurzen Groteske ist nicht schlecht: der eigenbrötlerische Kauz Georges beginnt mit seiner Jacke zu sprechen, steigert sich mehr und mehr in einen Wahn hinein und hat am Ende nur noch ein Ziel. Seine Jacke soll nicht nur die schönste, sondern die einzige Jacke auf der ganzen Welt sein.

© Atelier de production

Dupieux, der nicht nur als Regisseur, sondern als DJ arbeitet, fehlt jedoch das nötige Timing. Die Farce bräuchte mehr Tempo, um auf der Leinwand zu funktionieren und über eine schrullige Fingerübung fürs Spätprogramm des koproduzierenden Senders arte hinauszukommen.

Adèle Haenel setzt als Denise immerhin noch einige Akzente: Ihre Barfrau und Hobby-Cutterin, die endlich mal bei „Pulp Fiction“ aufräumte und die Szenen in der richtigen Reihenfolge anordnete, kokettiert geschickt mit ihrer gespielten Naivität und ist Georges weit überlegen.

Ein bemerkenswertes Debüt gelang Mounia Meddour mit Papicha, das in der Sektion „Un certain regard“ zu sehen war. Sie erzählt eindringlich von einer Clique junger Mädchen, die in ihrem Freiheitsdrang von den islamistischen Fundamentalisten, die Anfang der 1990er Jahre in Algerien auf dem Vormarsch waren.

In den gelungensten Szenen genießen die jungen Frauen um Nedjima (Lyna Khoudri) ihre Freiräume: Sie ziehen sich heimlich im Taxi um und sind im Keller voller Vorfreude auf die Party. Die Modenschau, die sie trotz aller Widerstände auf die Beine stellen und die zur großen Feier ihrer Kreativität und ihres Selbstbehauptungswillens, stürmen die Störtrupps der Islamisten.

Zwischen diesen Kulminationspunkten erzählt Meddour ihre Geschichte recht konventionell und mit großem politischem Engagement. Ihr Film „Papicha“, was man mit „moderne, hippe junge Frau“ übersetzen könnte, hat bisher noch keinen Verleih und war eine Bereicherung für das „Around the World in 14 films“-Festival, da er sehr authentisch von der Lage in Nordafrika erzählt.

Vorschaubild aus „Papicha“: © Jour2Fete

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