Zombi Child

Bertrand Bonello verschränkt in seinem neuen Film „Zombi Child“ zwei Zeit- und Handlungs-Ebenen: Erstens in düsterem Schwarz-Weiß gehaltene Schilderungen vom Tod des Haitianers Clairvius Narcisse, der lebendig begraben zum Zombie mutiert und mit Leidensgenossen als Arbeitssklave wie zu Kolonialzeiten auf der Plantage schuften muss. Zweitens erzählt der Film von einer Mädchen-Clique in einem strengen, französisch-meritokratischen Mädchen-Internat, die vollauf mit ihren pubertären Nöten wie dem ersten Liebeskummer beschäftigt ist und zu kraftvollem Electro-Rock einen Zirkel gründet, der sich sehr geheimnisvoll gibt.

Bindeglied zwischen den Welten sind Fanny und ihre Tante, die beide aus Haiti nach Frankreich kamen und Erfahrungen mit dem Voodoo-Kult haben. Stark essayistisch angehaucht befasst sich Bonello in seinem Film mit einem ganzen Strauß politischer Themen, die das Selbstbild der „Grande Nation“ als ehemaliger Kolonialmacht und Mutterland der Revolution reflektieren. Diese Aspekte werden mal ganz offen im Frontal-Unterrichts-Stil von den verknöcherten Lehrern der Internats-Schülerinnen angesprochen, mal werden sie subtiler in den mystischen Bildern der Haiti-Zombie-Sequenzen gespiegelt.

Recht leichtfüßig schwebt „Zombi Child“ zwischen den beiden Welten hin und her und steuert auf die finale Eskalation zu, bei der Fannys Mitschülerin Melissa, die in der Clique immer eine Außenseiterin war, in ihrem Liebeskummer Rat bei der Voodoo-Priesterin sucht. Der Hybrid aus Polit-Essay und Mädchen-Internats-Drama driftet auf den letzten Metern mehr und mehr in die Fantasy-Ecke ab. Die verschiedenen Stränge überzeugend zusammenzubinden, gelingt Bonello in den Schluss-Sequenzen nur mäßig gut.

Nach der Premiere in der Quinzaine-Nebenreihe von Cannes wurde „Zombi Child“ gestern beim „Around the World in 14 films“-Festival in Berlin präsentiert. Ein Kinostart ist für Mai 2020 angekündigt.

Bild: Grandfilm Verleih

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