The Farewell

Als allerletzten Film der Kino-Weltreise zeigte das „Around the World in 14 Films“-Festival den Sundance-Hit „The Farewell“: gut gemachtes Kino fürs Herz über eine Familie, die vor der schwierigen Frage steht, ob sie der Oma die Wahrheit über ihre Krebserkrankung sagen sollen.

Lulu Wang erzählt diese Geschichte „Based on an actual lie“ aus ihrer eigenen Familie, wie es im Vorspann heißt, und lässt zwei Kulturen aufeinander prallen. Der Großteil des Clans ist in die USA ausgewandert und hat Großmutter Nai Nai lange nicht gesehen. Als bei ihr Lungenstadium im Endstadium diagnostiziert wird, lügen ihr die behandelnden Ärzte und ihre Kinder vor, dass es sich auf den Röntgenbildern nur um harmlose Schatten handle. In China sei es üblich, alte, krebskranke Menschen das wahre Ausmaß ihrer Erkrankung zu verheimlichen, erfahren wir aus den Dialogen.

Eine arrangierte Hochzeit ihres Enkels mit der sehr unglücklich dreinschauenden Braut liefert in dieser Tragikomödie die heiteren Momente und den Vorwand, dass sich die Familie noch einmal zu einem großen Fest versammeln und still von der Oma Abschied nehmen kann. Eingeladen sind alle außer Billie (gespielt von Awkwafina), dem Alter Ego der Regisseurin und Drehbuch-Autorin Wang. Ihr trauen es die anderen Familienmitglieder nicht zu, dass sie den Mund halten und die Fassade wahren kann. Die Tischgespräche werden zum verkniffenen Herumeiern und Reden um den heißen Brei.

Billie kommt kurzerhand dennoch nach und ist während des ganzen Films hin und her gerissen, was moralisch richtig ist: Die westliche (amerikanisch-europäische) Art, die Patientin über ihre Krankheit aufzuklären? Oder der asiatische Weg einer gut gemeinten Lüge?

„The Farewell“ verhandelt diese Frage in 100 durchaus sehenswerten Minuten, die pünktlich vor Weihnachten im Kino starten.

Bild: © DCM A24

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