Der Leuchtturm

Hollywoodstars treffen auf avantgardistischen Experimentalfilmer. Diese beiden Welten finden in „Der Leuchtturm“ zueinander und ergeben einen der „merkwürdigsten und rätselhaftesten Filme des Kinojahres“, wie die Süddeutsche Zeitung konstatierte.

Willem Dafoe und Robert Pattinson beim Revierkampf der Alphatiere: das klingt nach Glamour und großem Starkino, wie gemacht für den Roten Teppich und den Wettbewerb um die Goldene Palme von Cannes.

Aus guten Gründen lief „The Lighthouse“ von Robert Eggers allerdings nur in der Quinzaine, der Nebenreihe des Festivals für Cineasten und Filmnerds, für ungewöhnliche Erzählweisen und neue Pfade abseits des Mainstreams.

In sehr grobkörnigen, fast quadratischen Schwarz-Weiß-Bildern und deutlich vom expressionistischen Film der Zwanziger Jahre inspiriert erzählt Eggers vom Aufeinanderprallen von zwei schwierigen Charakteren, die auf dem engen Raum des Leuchtturms aufeinanderprallen.

Robert Pattinson in director Robert Eggers THE LIGHTHOUSE. Credit : A24 Pictures

Mit fast schon sadistischer Freude kostet der alte Leuchtturmwärter Thomas Wake (Willem Dafoe im Look eines bärbeißigen Waldschrats) es aus, seinen neuen Gehilfen Ephraim Winslow (Robert Pattinson) herumzukommandieren. Begleitet vom regelmäßigen Brummen des Nebelhorns und dem Kreischen der Möwen verhaken sich die beiden Männer in ihren Machtspielchen. Auf die Rangeleien und Beschimpfungen folgen Verbrüderungen und Besäufnisse.

Die beiden Männer steigern sich wie zu erwarten mehr und mehr in ein Delirium hinein, Wahn und Wirklichkeit sind kaum noch zu unterscheiden: eine Axt, tote Möwen und eine Meerjungfrau geistern durch die kryptische Szenerie.

Der Plot, der irgendwo zwischen Fantasy-Märchen, leichtem Grusel und düsterem Kammerspiel an der Küste von Maine Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist, ist nicht besonders komplex, aber filmtechnisch von Eggers und seinem Kameramann Jarin Blaschke bemerkenswert umgesetzt.

Recht wortkarg und in langsamen Bildern, die im Lauf der Konfrontation etwas rauschhafter zwischen Verdrängtem, aggressiver Phantasie und Wirklichkeit hin und herspringen, erzählt der New Yorker Filmemacher Robert Eggers auch in seinem zweiten Film nach „The Witch“ wieder eine mit surrealen Motiven gespickte Geschichte aus der amerikanischen Vergangenheit, die Sehgewohnheiten des Multiplex-Kinos vor den Kopf stößt und für Freunde des experimentelleren Kinos interessante Ansätze bietet.

Bilder: A24 Pictures

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