Die Spieler

Mit Dostojewski-Romanen hat das Berliner Theater-Publikum seine Erfahrungen. Bis weit nach Mitternacht zogen sich Frank Castorfs assoziativ-ausufernde Inszenierungen an der Volksbühne.

Nicht mal ein Drittel der Zeit nahm sich Frank Hoffmann, weniger als zwei Stunden dauert seine Abschiedsinszenierung „Die Spieler“, mit denen er seine Intendanz der Ruhrfestspiele Recklinghausen im Sommer 2018 beendete. Dafür bediente er sich bei Dostojewskis Roman „Der Spieler“ und verschnitt ihn mit weiteren Texten des russischen Schriftstellers.

Diese Collage funktioniert als Spielfassung leider nicht. Zäh schleppt sich die erste Stunde dahin. Motive wie die Spielsucht und das Liebeschaos der Figuren werden angetippt, aber der Abend kommt nicht in Fluss. Die Spieler*innen tauchen aus dem um die Spielfläche angeordneten Publikum auf und kurz danach wieder ab. Der Abend wirkt ziellos und beliebig.

Bis zum Auftritt des Stars des Abends: Wolfram Koch. Er schlüpfte in die Rolle der Erbtante, auf deren baldiges Ableben und Erbe der gesamte Clan sehnsüchtig wartet. Der Abend bekommt nun endlich eine klare Richtung, aber keine gute: Kochs Travestienummer erinnert an „Charleys Tante“. Zotiger Humor und altbackene Kalauer aller Spieler*innen begleiten seinen Auftritt.

Langsam dreht sich die Klamotte frei nach Dostojewski ihrem Ende entgegen: die Tante schlägt den Verwandten ein Schnippchen und verprasst das gesamte Erbe am Roulettetisch.

Mit einem enttäuschenden Gastspiel dieser Koproduktion der Ruhrfestspiele Recklinghausen mit dem Théâtre National du Luxembourg und dem Schauspiel Hannover beginnt das Berliner Theaterjahr in den Kammerspielen des Deutschen Theaters.

Bild: Birgit Hupfeld

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