Jojo Rabbit

Verharmlost es die Verbrechen der Nazis, wenn man Hitler und seine Anhänger als Karikaturen durch den Kakao zieht? Diese Frage wirft „Jojo Rabbit“, eine grelle Farce aus Hollywood auf, die mit 6 Nominierungen ins Oscar-Rennen geht.

Die Frage ist allerdings nicht neu: Satirisch überzeichnete Abrechnungen mit dem Führerkult haben ihren festen Platz in der Kinogeschichte: „Der große Diktatur“ von Charlie Chaplin und „Sein oder Nichtsein“ sind auch heute noch, sieben Jahrzehnte später, sehenswerte Werke.

Der neuseeländische Regisseur Taika Waititi macht sich mit großem Elan ans Werk, die Nazis als debile Trottel durch den Kakao zu ziehen. Wie Chaplin spielt er die Rolle des Führers gleich selbst. Als imaginärer Freund begleitet Hitler den 10jährigen Jungen Johannes „Jojo“ Betzler, bringt ihn mit schlechten Ratschlägen in die Bredouille, klopft Sprüche und kommentiert jede Kleinigkeit.

Die Nazi-Fußtruppen, die Hitlerjunge Jojo im Ferien-Camp kennenlernt, sind ähnlich schräge Karikaturen. Vor allem in der ersten Hälfte kommen einige Gags zu sehr mit dem Holzhammer, ist die Farce recht flach.

Der Film gewinnt jedoch an Konturen. Jojos Mutter (Scarlett Johansson) entpuppt sich als Nazi-Widerstandskämpferin und als der Sohn das jüdische Mädchen Elsa (Thomasin McKenzie) in ihrem Versteck hinter der Wand findet, beginnt langsam ein Umdenken.

Ein Glücksgriff für die Anti-Nazi-Satire „Jojo Rabbit“ ist der beeindruckende Kinderdarsteller Roman Griffin Davis. Auf unterhaltsame Weise erzählt der Film, wie dem fanatischen Nazi-Anhänger, dessen Kinderzimmer voller NS-Devotionalien ist, die Augen geöffnet werden, während die Hitler-Stimme in seinem Kopf immer verzweifelter zetert und mit immer absurderen antisemitischen Klischees vor Gehirnwäsche und angeblichen manipulativen Fähigkeiten der Juden warnt.

Am schönsten ist die Szene, in der sich Elsa und Jojo nach dem Einmarsch der Alliierten aus dem Versteck wagen: in einer Choreographie zu „Heroes“ von David Bowie feiern die beiden ihren Triumph über die Nazis. Die stellenweise recht klamakauige Farce wird zum sympathischen Feel-good-Movie mit klarer politischer Botschaft und war der Publikumsliebling des Festivals in Toronto.

Bei den Oscars 2020 gab es nach sechs Nominierungen immerhin eine Trophäe für das beste adaptierte Drehbuch von Regisseur Taika Waititi nach dem Kinderbuch „Caging Skies“ der Neuseeländerin Christine Leunen.

Bild: © 2019 Twentieth Century Fox

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