Das Vorspiel

Diese Häufung ist schon auffällig: innerhalb weniger Monate erschienen drei Filme im Musiker-Milieu, bei denen neurotische Lehrerinnen im Mittelpunkt stehen, die mit ihrem Perfektionismus sich selbst und ihre – in allen Fällen – männlichen Schüler an den Rand des Wahnsinns oder darüber hinaustreiben.

Ebenfalls allen drei Filmen ist gemein, dass die weibliche Hauptrolle von Schauspielerinnen übernommen wurde, die zur ersten Liga der deutschen Theater- und Filmszene gehören und den nötigen Schuss kapriziöser Divenhaftigkeit mit dem großem Ernst verbinden, mit dem sie sich in ihre Rollen stürzen.

Nach „Prélude“ mit Ursina Lardi und „Lara“ mit Corinna Harfouch kam nun „Das Vorspiel“ mit Nina Hoss als Anna Bronsky, Lehrerin an einem Musikgymnasium, in die Kinos. Von einer liebevoll-fürsorglichen Seite zeigt sich Anna in einer frühen Szene bei einem Essen mit der Familie.

In vielen anderen Einstellungen schildert Regisseurin Ina Weisse jedoch, was für ein neurotischer, perfektionistischer Kontroll-Freak diese Frau ist, die nicht nur ihrem Mann und ihrem Sohn, sondern auch dem Schüler Alexander (Ilja Monti) das Leben äußerst schwer macht.

Der Film lebt vor allem von seiner Hauptdarstellerin Nina Hoss, die im vergangenen Herbst in San Sebastian mit einer Silbernen Muschel und auch beim Festival in Stockholm ausgezeichnet wurde. Sie macht dieses Psychogramm einer Frau sehenswert.

Dramaturgisch ist „Das Vorspiel“ jedoch etwas holprig. So eindringlich wie in „Whiplash“ schildert der Film den Drill nicht. Er verliert sich immer wieder in Andeutungen, was Anna so verhärten ließ, und verzettelt sich in Nebensträngen wie einer Affäre, die nicht schlüssig zusammengebunden werden. Etwas Leichtigkeit bringt Sophie Rois mit schnippischen Bemerkungen in der kleinen Rolle von Annas Kollegin und Geigenlehrerin ihres Sohnes in den Film.

Bilder: Judith Kaufmann/Port au Prince Picture

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