Aufgeräumt

Links klafft eine Lücke. Das war der Stammplatz von Tetta Müller, Bühnen- und Lebenspartner von Lo Malinke. Noch weiter links saß Florian Ludewig am Klavier und wurde mit neckischen Sprüchen und kleinen Flirts bedacht. Beide fehlen an diesem ersten Solo-Abend von Lo Malinke in der Bar jeder Vernunft: „Malediva“ gibt es nicht mehr. Die Musik kommt vom Band.

Dies ist das traurige Setting des „Aufgeräumt“-Abends, zwei Stunden voller Melancholie und sehr persönlicher Geschichten. Mit der gewohnten Selbstironie erzählt Malinke vom Aufwachsen in einem nordhessischen Dorf, von seiner schwierigen Beziehung zur dominanten Mutter und zum Vater, den er in den letzten Lebensjahren pflegen musste.

In anderen Episoden arbeitet er die schmerzhafte Zeit auf, in der es seinem Partner Tetta Müller immer schlechter ging. Zunächst diagnostizierten die Ärzte ein Burnout, nach einer Wanderung auf dem Jakobsweg schien alles wieder im Lot. Das Paar zog vom Prenzlauer Berg nach Kladow, 2017 versuchte Malediva ein Comeback. Für ihr neues Programm „Völlig losgelöst“ gab es bereits einen Tour-Plan, Karten waren verkauft. Nach einer Panikattacke musste die Premiere im tipi abgesagt werden. Es war klar, dass Müller nie mehr auf die Bühne zurückkehren würde. „Malediva“ war Geschichte. Das Paar zog nach Mallorca. Malinke verlegte sich vor allem auf das Drehbuchschreiben, Müller arbeitet mittlerweile als Deutschlehrer.

Zwischen den Geschichten aus seinem Leben hat Malinke einige der bekanntesten Duette des aufgelösten Duos eingestreut. Meist handelt es sich um Liebesballaden, die zwangsläufig nur noch vom Band kommen.

Passend zu diesem stillen Abend verabschiedet sich Lo Malinke kurz vor 22 Uhr ohne weitere Zugaben und mit ein paar Schlussworten vor der Premiere. „Aufgeräumt“ hatte im November 2019 Premiere in der Bar jeder Vernunft, die nächsten Vorstellungen sind für Juni 2020 angekündigt.

Bild: Robert Recker

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