Club 27

Amy Winehouse, Janis Joplin, Kurt Cobain und Jimmy Hendrix: die hochbegabten Musiker haben alle gemeinsam, dass sie nur 27 Jahre jung wurden. Zu Ehren dieses legendären „Club 27“ lädt Enis Turan zu einer Party in das HAU 3-Dachgeschoss. Zunächst sieht alles nach einer typischen Berliner Club-Nacht aus: Tanzfläche, DJane, Türsteher, dazu eine geschmackvoll hergerichtete Trauer-Ecke mit Kerzen und Fotos der Verstorbenen. Nur der nackte Statist, der sich mit Laserpointer im Kreis dreht, wirkt etwas gewöhnungsbedürftig und würde eher in den KitKatClub als auf die Theaterbühne passen.

Enis Turan, der die Performance entwickelt hat, mischt sich im Amy Winehouse-Look unter die Party-Menge, scheucht das Publikum jedoch nach knapp zehn Minuten auf die Sitzplätze hinter dem Absperrband.

Von da an wird die Performance noch ungewöhnlicher: in einem assoziativen Monolog denkt Turan über Plagiate, das Urheberrecht und Ideenklau nach, macht sich selbstironisch über seine mangelnden Einfälle lustig und beendet den Abend schließlich mit einer Radikal-Performance, irgendwo zwischen Einar Schleef und Marina Abramovic, bei der er nackt und gefesselt von der Decke baumelt, bevor er aus den Alltags-Klamotten wieder in sein Winehouse-Drag-Kostüm schlüpft.

Worauf Turan bei dieser vom Berliner Hebbel am Ufer und dem Tanzhaus NRW produzierten, kuriosen, mehrere Haken schlagenden Performance hinaus will, bleibt unklar. Nach kurzem, wohlwollendem Beifall wird das Publikum vorbei an den Performer*innen und der Trauerstätte der Pop- und Rock-Ikonen, die erst ganz zum Schluss wieder in Erinnerung gerufen werden, nach draußen geführt.

Bilder: Marcos Angeloni

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