Wagenknecht

Ein sehr wohlwollendes Porträt zeichnet Sandra Kaudelka von der langjährigen Linken-Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht.

2016 kam ihr die Idee, die kluge, charismatische Politikerin zu begleiten. Überraschend sagte Wagenknecht zu und ließ sich von der Dokumentarfilmerin und ihrem Team begleiten. Da die Finanzierung des Projekts stockte, zogen sich die Dreharbeiten bis weit ins vergangene Jahr hin.

Im Leben von Sahra Wagenknecht gab es während dieser langen Zeitspanne einen großen Einschnitt. Schon nach dem Wahlkampf 2017, in dem sie als Spitzenkandidatin die Marktplätze füllte, ihre Partei aber nur ein solides Ergebnis erreichte und vor allem im Osten an die AfD verlor, ist Wagenknecht eine deutliche Erschöpfung anzumerken.

Ein Jahr später zog sie sich nach einem Burn-out aus der ersten Reihe der Politik zurück. Die drei wesentlichen Faktoren, die zu dieser Erkrankung führten, werden in dem Film recht deutlich: erstens der dauernde Machtkampf zwischen den Fraktions-Vorsitzenden Wagenknecht/Bartsch und den Parteivorsitzenden Kipping/Riexinger, bei dem sich pure Machtpolitik mit einem Grundsatzstreit um die Flüchtlingspolitik vermischte und auf dem Parteitag im Frühjahr 2018 eskalierte, zweitens der Interview-Marathon in ihrem Büro, bei dem sie auch bei den skurrilsten Anfragen die Haltung bewahrt und nur mit mokantem Lächeln andeutet, wie schräg sie ihre Gäste zum Teil findet, drittens der in Kinderschuhen steckengebliebende Versuch, die „Aufstehen“-Bewegung zu gründen.

Kaudelkas Porträt bietet kleine Einblicke hinter die Kulissen, stellt das Team um Wagenknecht (die Büroleiterin, den Fahrer und den Pressesprecher) vor, bietet darüber hinaus aber keine aufregenden Neuigkeiten für aufmerksame Beobachter der Politik.

„Wagenknecht“ ist eine Hommage an eine Persönlichkeit, bei der deutlich der Respekt der Regisseurin vor der Protagonistin zu spüren ist. Sahra Wagenknecht kann sich hier 100 Minuten lang von ihrer besten Seite zeigen, ohne kritische Zwischenfragen und Einwürfe politischer Geger oder neutraler Beobachter.

Nach der Premiere bei der Persepektive Deutsches Kino der Berlinale startet „Wagenknecht“ am 12. März im Kino.

Bilder: Michael Kotschi

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