Die Känguru-Chroniken

Die Kurzgeschichten aus der Kreuzberger WG des anarchistischen Kleinkünstlers Marc-Uwe Kling und seinem Mitbewohner, dem kommunistischen Känguru, haben seit knapp einem Jahrzehnt Kultstatus.

Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis nach Theater-Fassungen auch ein Kinofilm zu den Bestsellern herauskommen würde. Dani Levy machte aus der Vorlage 93 kurzweilige Unterhaltungs-Kino-Minuten, die perfekt auf das Programmschema des koproduzierenden ZDF zugeschnitten sind.

„Die Känguru-Chroniken“ beginnen als sympathischer Spaß: Dimitrij Schaad, der für seine scharfzüngigen Rampensau-Monologe am Gorki Theater bekannt und gefürchtet ist, sich dort momentan allerdings eine Auszeit nimmt, spielt den schluffigen Tagträumer, der mittags im Pyjama aus dem Bett und auf die Couch kriecht und es immer ausbaden muss, wenn das Känguru, der bürgerliche Eigentums-Kategorien konsequent ablehnt, wieder mal Grenzen überschritten hat.

Im Film-Plot bekommen sie es mit einer stark überzeichneten Trump-Karikatur zu tun. Der Immobilien-Tycoon und rechtspopulistische Politiker Jörg Dwigs (Henry Hübchen) möchte die Kreuzberger Gentrifizierung einen entscheidenden Schritt vorantreiben und sich mitten im Görlitzer Park, einem der größten Drogen-Umschlagplätze der Stadt, mit Wolkenkratzern ein Denkmal platzen.

Aus der Konfrontation zwischen Känguru, Kiezbewohnern und Kapitalist entwickelt sich ein recht munterer Comedy-Plot, der um einen Hasenpfoten-Schlüsselanhänger kreist, neben hübschen Gags aber oft zu platt ist. Dies ist sicher auch der holzschnittartigen Gut-Böse/Schwarz-Weiß-Konstruktion des zentralen Konflikts geschuldet.

Hinter dem Charme der Buchvorlage bleiben „Die Känguru Chroniken“ deutlich zurück, funktionieren aber als Unterhaltungs-Familienfilm halbwegs solide. Eine NDR-Rezension brachte es auf den Punkt, dass das Känguru hier etwas zu kurz hopst.

Bei der Deutschen Filmpreis-Gala 2020 gab es immerhin eine Lola in der Kategorie beste visuelle Effekte/Animation.

Bilder: X-Filme, X-Verleih

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