Für Sama

Eindringlich erzählt Waad al-Kateab vom Grauen des Kriegs in Syrien. 2012 schloss sie sich als junge Studentin dem Aufstand gegen den Diktator Assad an.

Daraus entwickelte sich ein jahrelanger Krieg, in dem russische Truppen im Schulterschluss mit Assads Armee Widerstandshochburgen wie Aleppo belagerten, bombardierten und ganze Stadtviertel schließlich dem Erdboden gleich machten.

Zunächst als verwackelte Handy-Videos, später mit einer Videokamera dokumentierte al-Kateab die wenigen Momente der Hoffnung, vor allem aber die Spirale der Gewalt.

Während der Belagerung von Aleppo brachte sie ihre Tochter Sama zur Welt. Zu dem Zeitpunkt lebte al-Kateab bereits nicht mehr in dem schönen Haus mit Garten, das sie in einer Sequenz des Films stolz präsentierte, sondern in einem kleinen Zimmer der Klinik, die ihr Mann Hamza in Ost-Aleppo zu Beginn des Kriegs mit einigen Freunden gründete.

In Großbritannien, wo sie mittlerweile mit ihrer Familie wohnt, montierte Waad al-Kateab das Material mit Zeitsprüngen und Rückblenden gemeinsam mit ihrem Co-Regisseur Edward Watts zu einer Chronik ihrer privaten Erkebnisse und des Grauens des Syrien-Kriegs.

Besonders plastisch wird das Leiden der Zivilbevölkerung bei Aufnahmen aus dem Luftschutzkeller der Klinik, in den sich al-Kateab mit ihrer Tocher vor den regelmäßigen russischen Luftangriffen flüchtet, und bei Szenen aus der Notaufnahme, wenn die Ärzte um das Leben von Bomben-Opfern kämpfen. Der Schwerpunkt des Films liegt auf den Jahren 2015/16.

Der Film ist nicht nur ein Aufschrei und Hilferuf an die Weltöffentlichkeit, sondern auch eine persönliche Botschaft an ihre Tochter Sama. Schon zu Beginn entschuldigt sie sich bei ihr Tochter dafür, sie in dieses Grauen hineingeboren zu haben. Die Mutter erklärt, warum sie und ihr Mann bis zuletzt mit dem Baby in Aleppo ausharrten und sich nach einem Besuch beim kranken Großvater in der Türkei zwischen den Frontlinien zurück in die Stadt schmuggelten. Der Film endet kurz nach einer dramatischen Situation an einem Kontrollposten, als das aus dem zerstörten Aleppo vertriebene Arzt/Journalistin-Paar zitterte, ob sie passieren dürfen oder auf einer Todesliste stehen.

Das eindringliche Zeitdokument war für einen Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert, zog allerdings gegen „American Factory“ den Kürzeren und startete am 5. März in den deutschen Kinos.

Bild: Filmperlen

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