K.

Am 25. April sollte in Leipzig Hausregisseur Philipp Preuß mit einer Adaption von Franz Kafkas Roman-Fragment „Das Schloss“ Premiere feiern. Wie so viele andere Pläne fiel auch dieses Projekt der Corona-Pandemie zum Opfer. Die Premiere soll in der kommenden Spielzeit nachgeholt worden, bereits heute begann ein vierwöchiges Online-Experiment.

Jeweils 40 Zuschauer*innen sind eingeladen, dem Schauspiel Leipzig und Philipp Preuß bei ihren tastenden Versuchen zu folgen, mit dem aus Videokonferenzen bekannten Zoom-Format zu experimentieren. „K.“ lautet der Titel einer Web-Serie, die in vier Häppchen á ca. 40 Minuten dem Landvermesser Josef K. auf dem Weg zum Schloss begleitet.

Meist sind nur die Konturen des Hauptdarstellers Felix Alex Preißler als „K.“ klar auf dem Bildschirm zu erkennen. Seine Gehilfen, der Wirt, Frieda und der Dorfsekretär bleiben schemenhaft oder sind gar nur als Stimmengewirr zu hören. „K.“ bekommt seine Umgebung nicht zu fassen und muss sich in der fremden Wirklichkeit ebenso völlig neu orientieren und nach Halt suchen wie wir alle in der Corona-Pandemie.

Der erste Teil der „K.“-Serie folgt dem Protagonisten zu sanfter Klaviermusik durch einen Schneesturm. Das Format steckt sichtlich noch in den Kinderschuhen, die Bilder ruckeln gewaltig, vom Live-Theater-Erlebnis oder der Bildqualität eines Kinoabends ist dieses aus der Not geborene Experiment noch weit entfernt.

Das Publikum ist eingeladen, den „K.“ beim Herumirren zu begleiten und mitzuerleben, wie sich das Schauspiel Leipzig an neue Live-Formate im Netz herantastet. Vielleicht reift das Projekt in den kommenden Wochen noch heran.

Bild: Konny Keller

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