Die Mutter aller Fragen

Die feministische Collage „Die Mutter aller Fragen oder 25 Rollen, die eine Frau niemals spielen sollte“ am Schlosstheater Moers bricht in der ersten Szene mit den Erwartungen. Schauspieler Matthias Heße kommt allein auf die Bühne und beginnt mit Mansplaining – oder besser: er versucht es. Er verhaspelt sich immer wieder, tritt ab, setzt neu an. Einen kurzen Überblick möchte er zum Konzept des Abens geben und steigert sich im x.-ten Versuch in eine Chauvi-Tirade hinein. Mit O-Tönen aus dem SZ-Interview von Frank Castorf vor seiner „Don Juan“-Premiere im Sommer 2018 ätzt er gegen Frauenfußball, Theaterwissenschaftlterinnen und Performerinnen, die ihm seine Rolle als Platzhirsch streitig machen möchten.

Seine beiden Kolleginnen Lena Entezami und Elisa Reining fahren ihm in die Parade. Sie schlüpfen in die Rollen von Regisseuren, die seine Probenarbeit sezieren und abkanzeln. Gönnerhaft tätscheln sie ihm das Knie, während sie ihn zur Schnecke machen und in die Enge treiben. Ähnliche Szenen spielen sich regelmäßig an deutschen Stadttheatern ab, wenn man den einschlägigen Studien und Berichten glauben darf, dann aber meist mit umgekehrten Vorzeichen und „alten, weißen Männern“ als Regisseuren.

Nach diesem Intro kommt der Abend zu seinem Kern: die bekannten Mädchen- und Frauenrollen des klassischen Kanons, all die unglücklich liebenden Emilias, Julias und Gretchens, die wahnsinnig werdenden Ophelias und Medeas werden dem Bechdel-Test unterzogen – und fallen meist erwartungsgemäß krachend durch.

Ironische Ambivalenz bekommt das Projekt durch ein Solo von Elisa Renning, die jammert, dass man die Stücke nicht einfach entsorgen solle. Dann wäre nämlich ihr großer Traum zunichte, wenigstens einmal die Lady Macbeth spielen zu dürfen. Sie wirft sich in die Rolle und fleht das Publikum mehrfach an, unbedingt eine Mail an den Intendanten des Schlosstheaters Moers zu schreiben und eine „positive Welle“ für sie und ihren Traum zu machen.

„Die Mutter aller Fragen“ ist eines der Projekte, die sich wie „status quo“ amüsant und satirisch mit den „Burning Issues“ wie #metoo und der Rollenauswahl für Frauen befassen. Mit vielen Anspielungen auf prominente, alte Männer wie Castorf und Handke und der Parodie klischeehaft-sexistischer Fragen aus Interviews in Glamour-Magazinen ist der Abend unterhaltsam, ohne stark erhobenen Zeigefinger, in der zweiten Hälfte aber etwas zu lang und stellenweise redundant.

Bilder: Jakob Studnar

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