Frankenstein

Thematisch sehr überfrachtet ist die Puppentheater-Adaption des „Frankenstein“-Romans, die Jan-Christoph Gockel für das Théâtre National Wallonie-Bruxelles entwickelte.

Außer dem Highlight, einem 7 Meter hohen Ungetüm, der von Victor Frankenstein geschaffenen Kreatur, versucht der Abend zu viel in zu kurzer Zeit zu verknüpfen. Ein zentraler Strang der Inszenierung sind kulturwissenschaftliche Diskurse über das Erinnern, das Sterben und das Vergehen von Zeit. Die Spieler*innen erzählen sich gegenseitig, welche Bedeutung bestimmte Gegenstände für sie haben oder von der Biographie ihrer Großeltern. Die untertitelten Dialoge des multinationalen Ensembles switchen ständig zwischen Französisch, Englisch und zum Teil auch Deutsch.

Stereotype über Belgier und Deutsche werden zwar ironisch, aber zu platt ebenso eingebaut wie das bis heute nachwirkende Trauma des Falls Marc Dutroux. Das Tableau der Roman-Figuren bleibt unübersichtlich. Der „Frankenstein“-Abend ächzt unter einer sprunghaften Überfülle, ohne seine Themen schlüssig zu verbinden.

Bilder: Hubert Amiel

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