Maria Stuart

Ganz auf Susanne Wolff ist diese schnörkellos-elegante Inszenierung von Stephan Kimmig am Hamburger Thalia Theater zugeschnitten, die 2008 zum Theatertreffen eingeladen war.

Es ist meisterlich, wie sie an den Stuhl gefesselt mit minimalem Bewegungsspielraum eine gewaltige Palette von Gefühlen ausdrückt. Mal blickt sie in der Titelrolle mit einem leichten Zucken der Mundwinkel und mokantem Lächeln im Gefühl ihrer Überlegenheit auf ihre Gegner*innen herab. Mal windet sie sich in den Fessekn, krallt sich am Stuhl fest, versucht sich aufzubäumen und spuckt dabei Gift und Galle.

Die 3sat-Fernsehregie fängt diese Performance von Susanne Wolff mit einem geschickten Wechsel aus Totalen und Großaufnahmen auf Gesicht oder Hände ein, so dass diese „Maria Stuart“ zu den gelungenen Beispielen gehört, wie sich eine Theateraufführung, die längst nicht mehr auf dem Spielplan steht, wirkungsvoll auf den Bildschirm übertragen und konservieren lässt.

Die Erinnerung an das Live-Erlebnis im Haus der Berliner Festspiele ist mehr als ein Jahrzehnt später verblasst, aber das Ringen der Protagonistin mit sich und ihren Kontrahent*innen ist auch als Aufzeichnung so wirkungsvoll, dass sich das Aufrufen des Thalia Digital-Angebots lohnt. Leider ist Susanne Wolff, seitdem sie 2016 aus dem Ensemble des Deutschen Theaters Berlin ausgeschieden ist, kaum noch auf den Theaterbühnen zu sehen.

Unter den Nebenfiguren ist vor allem Burleigh hervorzuheben, den Peter Jordan als Apparatschik mit fiesem Grinsen spielt.

Diese Inszenierung gehört zu den stärksten Arbeiten von Stephan Kimmig, der dem damaligen Thalia-Intendanten Ulrich Khuon ans DT Berlin folgte, in den vergangenen Jahren bei seinen Inszenierungen aber oft glücklos war und enttäuschte.

Bild: Arno Declair

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