Haus der Antikörper

Als Live-Performance auf fünf Bühnen, zwischen denen das Publikum wandern kann, war das „Haus der Antikörper“ von den drei Kooperationspartnern Theater Rampe Stuttgart, Theater Lübeck und backsteinhaus produktion ursprünglich geplant. Doch wie alle anderen Bühnen haben das Corona-Virus und der anschließende Lockdown auch dieses Projekt kalt erwischt und zum Umdisponieren gezwungen.

Regisseurin Marie Bues und ihr Team machten daraus zwei mittellange Filme á ca. 40 Minuten, die noch bis 19. Juli an bestimmten Abenden im Netz abrufbar sind.

„Pandemie einer Wiedergängerin“ spielt mit Motiven aus dem Surrealismus, der Horror- und Splatterästhetik und lässt einen Patienten (Niko Eleftheriadis) auf eine manisch wirkende Ärztin (Marie Ulbricht) treffen. In klaustrophobischer Enge und mit literweise Kunstblut, das über dem Kopf des Patienten ausgegossen wird, arbeiten sich die beiden Spieler*innen aneinander ab. Zu rätselhaft-raunenden Textschnipseln von Natascha Gangl vervielfältigen sich die Figuren, in Reih und Glied sitzen die Replikanten. Die eigentlichen Protagonisten sind aber das omnipräsente Virus und die Angst davor.

Sie prägen auch den zweiten Film „COCOONING /kəˈkuːnɪŋ/“, das in den Wohnungen der Tänzer*innen gefilmt wurde. Wir erleben ein Panorama hektisch zuckender Gliedmaßen aus Küchen, Badezimmern und Kellern. Als Kontrapunkt und Running-gag baute das Ensemble die Zuckerwatte ein, die nach einer Legende von einem Zahnarzt erfunden wurde und in die sich die Tänzer*innen wie in einen Kokon einspinnen.

So skurril und rätselhaft-versponnen wie dieses Detail ist auch der Rest dieses kleinen Online-Projekts „Haus der Antikörper“.

Filmstills: backsteinhaus produktion

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