Zeitfüreinander

Regisseurin Anne Lenk und Schauspieler/Musiker Camill Jammal entwickelten im Lockdown das Speeddating-Format „Zeitfüreinander“, von dem es mittlerweile drei Staffeln gibt. Dafür trommelten sie eine exklusive Truppe von Spieler*innen zahlreicher großer Bühnen zusammen.

In den Staffeln 1 und 3 quält sich das Projekt jedoch durch Redundanzen. Die kurzen 5-Minuten-Slots wechselnder Paare (zunächst hetero-, dann homosexuell) wiederholen kleine Gags entschieden zu oft, in den improvisierten Gesprächen tauchen immer wieder dieselben Textbausteine auf, so dass der Charme des Konzepts darunter deutlich leidet. Vor allem in der ersten Staffel bleiben die Figuren der Spieler*innen oft zu blass. Die klarsten Konturen und interessantesten Charaktere entwickeln Britta Hammelstein als beziehungsunfähige Beziehungscoach Meike, hinter derem scheinbar naiven Dauerlächeln in der 2. Staffel ein strategischer Plan sichtbar wird, und Camill Jammal als gockelhaft-posender Filmregisseur Tobias Weinberger. Einer der schönen Momente der ersten Staffel ist, wie kühl Emma (Franziska Machens) ihn auflaufen lässt.

Welches Potenzial in dem Online-Format steckt, blitzt immerhin in der 2. Staffel auf. Endlich haben die Paare mit 10 Minuten etwas mehr Zeit: die Dialoge werden pointierter und einfallsreicher, ohne den Brei aus dem vorherigen Date noch mal durchzukauen. Es macht Spaß den Paaren, dabei zuzuhören, wie sie verschiedene Beziehungsmodelle von Polyamorie bis Asexualität durchdiskutieren, ohne schnell zum nächsten Date weiterhecheln zu müssen.

Bild: © imago images/Olaf Döring

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