Under Pressure

Vor Ort im Festsaal oder am heimischen Rechner kann man an der knapp 90minütigen Performance „Under Pressure“ teilnehmen, die das feministische Kollektiv „Henrike Iglesias“ für die Sophiensaele und weitere Kooperationspartner konzipierte.

Laura Naumann, Marielle Schavan und Sophia Schroth werden von einem Trio am Regie-Pult (Anna Fries, Eva G. Alonso und Malu Peeters) durch einen Parcours typischer Casting-Show-Aufgaben gehetzt. Über den drei Aspirantinnen ergießen sich derbe, ätzende Kritik im Stil von Dieter Bohlen und austauschbare Kalenderspruchweisheiten á la Heidi Klum.

Im engen Takt eines Hamsterrads folgt Abstimmung auf Abstimmung. Wer von den dreien hat die Publikums-Jury bei der jeweiligen Teilaufgabe am ehesten überzeugt: Laura, Marielle oder Sophia?

Als Parodie auf das Casting-Show-Format und Kritik am Turbokapitalismus ist das für ein paar Runden durchaus unterhaltsam. Die entscheidende Schwachstelle thematisieren die Performerinnen gleich selbst mit. Sie nehmen der Kritik den Wind aus den Segeln und ihren Abend auf die Schippe, als sie kurz vor der finalen Abstimmung über zwei Schlussvarianten das Fazit ziehen: Oh, jetzt ist genau das eingetreten, was die Jury beim Auswahl-Pitch in Basel prognostizierte: Das Format der ständigen Abstimmungsschleifen trägt nicht über einen gesamten Theaterabend.

Von Pitch zu Pitch, von Casting zu Casting, von Premiere zu Premiere: aus dem Hamsterrad gibt es für die Performerinnen kein Entrinnen.

Bild: Dorothea Tuch

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