Tatort: Parasomnia

Als Grusel- und Schauergeschichte kommt der neue „Tatort“ aus Dresden daher, der am Volkstrauertag zwei Wochen zu spät auf Sonntag geht. „Parasomnia“ hätte wunderbar zum Halloween-Wochenende gepasst.

Ungewöhnlich ist auch, dass der Film auf prominente, zugkräftige Theater- oder TV-Schauspieler*innen verzichtet. Regisseur Sebastian Marka und Drehbuchautor Erol Yesilkaya haben den gesamten Film auf das Mädchen Talia (gespielt von Hannah Schiller) zugeschnitten, die Zeugin eines Mordes wurde, aber seit dem Auto-Unfall ihrer Mutter so tief traumatisiert ist, dass sich Realität und Fiktion in ihrem Kopf zu einem schwer durchdringlichen Geflecht aus Albträumen verwoben haben.

Während sich Talias Vater Ben (Wanja Mues) in seine Kinderbuch-Zeichnungen vergräbt und vor den Panikattacken seiner Tochter kapituliert, wächst Kommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) in die Rolle der Ersatz-Mutter hinein. Obwohl sie sich anfangs sträubt, geht dies sogar soweit, dass sie in dem baufälligen Spukhaus, in dem Talia und ihr Vater leben, einzieht und neben ihr schläft.

Schuld und Verdrängung sind die zentralen Themen dieses Mystery-Dramas: Während Winkler den Traumata des Mädchens auf den Grund zu gehen versucht, graben sich Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) in alte Stasiakten aus dem letzten Jahrzehnt der DDR ein, da der neue Mord offensichtlich Teil einer damals vertuschten, auch später nicht aufgeklärten Mordserie ist.

Der Film spielt gekonnt mit seiner Grusel-Atmosphäre und mit klassischen Genre-Motiven, die ironisch gebrochen werden, so z.B. das spießige Ehepaar, die hinter ihren Gardinen lungern und nichts besseres zu tun haben, als jede Lebensregung ihrer Nachbarschaft zu überwachen.

Bild: © MDR/MadeFor/Daniela Incoronato

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