This is not a burial, it´s a resurrection

Ein namenloser Erzähler (Jerry Mofokeng Wa Makhetha) führt zu mythisch aufgeladenen Bildern in dieses Drama aus Lesotho an. Er zupft seine Lesiba, beschwört die stolze Vergangenheit der Ahnen und meldet sich auch in den kommenden zwei Stunden immer wieder raunend zu Wort.

Seine Anmerkungen, die voller Anspielungen und Symbole sind, durchbrechen die stellenweise fast schon dokumentarische Schilderung des Widerstandskampfs der Dorfbewohner von Nazareth, die sich gegen ein Staudammprojekt wehren. Doch diesen Kampf rückt Regisseur Lemohang Jeremiah Mosese erst in der zweiten Hälfte seines Films in den Blick. Zunächst fokussiert sich der Film ganz auf die Trauer der 80jährigen Witwe Mantoa (Mary Twala Mhlongo), die bereits vor Jahren ihren Mann, mehrere Kinder und Enkelkinder verloren hat und deren Sohn bei einem Grubenunglück kurz vor Weihnachten ums Leben kommt. Sie hadert mit ihrem Glauben an Gott und zieht sich ganz in ihren Schmerz und ihre dunkle, ärmliche Hütte zurück.

Die tiefen Furchen in ihrem Gesicht sind das Zentrum dieses Dramas. In Großaufnahme zeigt die Kamera, wie sich der Schmerz über den Verlust ihres letzten Angehörigen in ihre Gesichtszüge eingräbt. Die einsame, alte Frau, die mit ihrem Leben fast schon abgeschlossen hat, wird jedoch aufgerüttelt, als ein Politiker ins Dorf kommt, die frohe Botschaft vom technologischen Fortschritt verkündet und den Bewohner*innen eine Umsiedlung in die Stadt anbietet.

Mantoa wird aus ihrer Erstarrung herausgerissen und zu einer Wortführerin des Widerstands gegen das Bauprojekt. Sie will es auf keinen Fall zulassen, dass die Totenruhe ihrer Ahnen gestört wird. Der Film changiert nun zwischen der naturalistischen und mythisch-symbolischen Ebene und stellt dem tiefen Schwarz der Witwen-Wohnung die lichtdurchfluteten Felder gegenüber, um die sie kämpft. Fixpunkt der Erzählung bleibt aber das Gesicht der Hauptdarstellerin, in dem der Schmerz der Entschlossenheit weicht, in der pathetischen, religiös aufgeladenen Schlussszene für ihre Widerstandshaltung in den Tod zu gehen.

„This is not a burial, it´s a resurrection“ hatte im September 2019 am Rande des Festivals von Venedig im Bienale Cinema College seine Premiere und war anschließend im Januar 2020 der Überraschungshit in der „World Cinema Dramatic Competition“ des Sundance-Festivals, wo Moseses mit dem Spezial-Preis der Jury für „Visionary Filmmaking“ ausgezeichnet wurde.

In Deutschland war der Film erstmals beim Filmfest Hamburg zu sehen. In dieser Woche ist er gleich im Rahmen von zwei Festivals online abrufbar: in der Sektion „On the Rise“ des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg und während des Berliner Afrikamera-Festivals. Wer „This is not a burial, it´s a resurrection“ auf der Leinwand erleben will, muss sich noch bis zur cineastischen Rundreise des „Around the World in 14 films“-Festivals in der Berliner Kulturbrauerei gedulden – irgendwann nach dem Lockdown…

Bilder: © trigon-film.org

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