The Slaughterhouse

Langsam gleitet die Kamera in der ersten Einstellung an den Fleischerhaken vorbei, die von der Decke eines Schlachthauses in Teheran baumeln. Der Wachmann und sein herbeigerufener Sohn sind in heller Aufregung: Drei Leichen wurden in einem Kühlraum gefunden. Der Chef (Mani Haghighi) verlangt, dass die beiden Männer die Toten diskret verschwinden lassen und in ihrem eigenen Garten verbuddeln.

Der düstere Thriller „Koshtargah/The Slaughterhouse“ von Abbas Amini erzählt von einer Gesellschaft, in der angesichts internationaler Sanktionen der Schwarzmarkt mit Dollars und anderen Devisen blüht. Fast niemand in diesem Film hat eine weiße Weste, fast jeder ist in krumme Deals verstrickt und versucht, andere über den Tisch zu ziehen.

Die einzige Frau (Baran Kosari) in dieser von Männern dominierten Halbwelt beginnt nachzuforschen, als ihr Vater und zwei Cousins plötzlich wie vom Erdboden verschwunden sind. Gemeinsam mit ihrem Bruder konfrontiert sie Vater Abed (Hassan Pourshirazi) und Sohn Amir (Amirhossein Fathi) mit bohrenden Nachfragen, so dass sich diese bald in Widersprüche verstricken und zunehmend nervös werden.

Mit seinen ersten beiden Filmen „Valderama“ (2016) und „Hendi Hormoz“ (2018) war Abbas Amini jeweils in die Jugend-Sektion Generation 14+ der Berlinale eingeladen. Sein dritter Spielfilm richtet sich dezidiert an ein erwachsenes Publikum, zeigt schonungslos eine moralisch verkommene Welt, in der brutal gemordet und vertuscht wird. Die Staatsorgane haben jegliche Kontrolle über diese Halbwelt verloren, sind bis auf eine kurze Razzia nicht präsent.

„The Slaughterhouse“ ist sehenswertes Festivalkino. Der Thriller lief im Oktober in Busan und wurde heute bei der Deutschlandpremiere auf dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg von der Ökumenischen Jury mit einer lobenden Erwähnung ausgezeichnet.

Bilder: Irimage

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