All for one and one for the money

Nach dem Prinzip der Reizüberflutung funktioniert der Live-Stream „All for one and one for the money“, den Richard Siegal und sein Ballet of Difference mit dem Schauspiel Köln produzierten. Genauer gesagt sind es drei parallele Streams, zwischen denen man beliebig hin und her switchen kann, begleitet von einem Chat und weiteren Special Streams, die man kostenpflichtig zuschalten kann.

Das Problem des knapp einstündigen Abends: er hat ein hervorragendes Qualitätsprodukt, das er wie Ramschware verscherbelt. Die Choreographie, die Siegal für den Stream 1 erarbeitete, ist ein ästhetischer Genuss: Dieser fängt bei den Kostümen von Flora Miranda an, die mit Symbolen der Konsumwelt wie Scan-Codes, Glasfaserkabeln und Geldscheinen spielen. Dazu tragen vor allem auch die spannenden Licht- und Video-Effekten von Matthias Singer weiter, der mit Siegal schon für „Oval“ des Staatsballetts Berlin zusammengearbeitet hat. Und erst recht gilt dies für die elektronischen Beats von Lorenzo Bianchi Hoesch, von denen sich die Tänzer*innen treiben lassen.

Die Aufmerksamkeit des Publikums wird jedoch bewusst durch ständiges Flackern in den beiden anderen Streams abgezogen. Die Lecture- und Game Theater-Performances setzen sich ironisch mit der Welt des Konsums auseinander, werden minutenlang von einem Youtube-Video einer jungen Asiatin abgelöst, die Essen in sich hineinschlingt, und werden erst kurz vor Schluss ganz abgeschaltet, so dass auf allen Streams das Finale der Choreographie zu sehen ist.

Nebenher plätschert schließlich auch noch der Chat, der kaum über Grußbotschaften, Witze und in den Raum geworfene, aber nie beantwortete Fragen hinauskam. All der Aufwand der parallelen Streams mag ein Meta-Vergnügen für Gametheater-Nerds und Theaterwissenschaftler sein, die Seminararbeiten über die ironischen Ebenen der Performance schreiben können. Die Gimmicks und Ironie-Schleifen entwerten jedoch den Tanzabend, der es verdient hätte, ganz pur und ungestört zu wirken.

Bilder: Thomas Schermer

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