Isola

Als Auftragswerk zur Corona-Krise hat Hausautor Philipp Löhle dieses Stück im vergangenen Jahr geschrieben. Eigentlich sollte „Isola“ am Staatstheater Nürnberg im Dezember 2020 zur Premiere kommen. Doch da die Ministerpräsidenten-Konferenz damals vom „Lockdown Light“ zu einem strengeren „Lockdown“ umschaltete, war daran nicht zu denken. Das fertig geprobte Stück wurde zunächst eingemottet.

Zwei Monate später hatte nun eine Theaterfilm-Version Premiere, die Video-Künstler Sami Bill aus Jan Philipp Glogers analoger Bühnenfassung entwickelte. Schauplatz der drei Akte ist der Biedermeier-Salon eines Grafen, in dem sich die adlige Gesellschaft zu einem Fest treffen wollte. Bedrohliche Nachrichten, das plötzliche Auftauchen eines Totengräbers und geheimnisvolle Geräusche sorgen für Unruhe. Die Gäste trauen sich nicht mehr vor die Tür und verschanzen sich in ihrer Paranoia, in die sie sich immer weiter hineinsteigern.

Mit altertümlicher Sprache und ebensolchen Kostümen taucht „Isola“ in die Schauer-Romantik des 19. Jahrhunderts ein. Flüsternde Stimmen aus dem Off und dräuende Musik rufen eine Mystery-Atmosphäre hervor, die bis zum grotesken Splatter-Finale durchgehalten wird. Die Inszenierung ist zwar atmosphärisch dicht, aber das Stimmungsbild einer paranoiden Gruppe im selbstverordneten Lockdown zieht sich zu sehr in die Länge. Abzuwarten bleibt, wie die Schauer-Groteske auf der Bühne ohne filmische Hilfsmittel wirkt und ob sie dann nicht ins unfreiwillig Komische abdriftet.

Eine Wiederholung der Online-Premiere von „Isola“ ist für 20. März, 19.30 Uhr, geplant.

Bilder: Konrad Fersterer

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