Innen. Nacht

„Geschichten aus der Höhle“ lautet der Untertitel des einstündigen Theaterfilms „Innen.Nacht“, den Bert Zander für das Theater Oberhausen entwickelte und der im Lockdown live via Vimeo gestreamt wurde.

Verlorene Gestalten irren in Astronauten- oder Viren-Schutzanzügen durch eine finstere, lebensfeindliche Welt. Die Klimakrise und das Artensterben beklagt gleich im Intro ein Ausschnitt aus Roger Willemsens letztem Buch „Wer wir waren“, dessen Titel in großen weißen Lettern auch mahnend auf den schwarzen Wänden prangt. Das folgende Krisen-Panorama schlägt einen Bogen der Ungerechtigkeiten und menschlichen Leidens: mit „Wer hat meinen Vater umgebracht?“ von Édouard Louis werden die Diskriminierung queerer Menschen und der Abbau des Sozialstaats durch neoliberale Politik angepragert, Zitate aus Ulla Hahns „Das verborgene Wort“ erzählen von den verbauten Bildungschancen und der Benachteiligung von Frauen, am schärfsten formuliert Stefanie- Lahya Aukongo in „Buchstabengefühle: eine poetische Einmischung“ ihre Anklage gegen Rassismus.

Die Textfragmente werden abwechselnd von den Ensemble-Mitgliedern gesprochen, jedem von ihnen ist ein Werk zugeordnet: die Auszüge werden zwar miteinander verschnitten, reagieren aber kaum aufeinander. Recht beliebig wirkt die Anordung der Texte, die noch um Daniel Schreibers Essay „Zuhause“ ergänzt wird.

Mit einem letzten Aufschrei endet diese düstere Bestandsaufnahme sich überlappender Krisenphänomene, bevor der Abspann daran erinnert, dass die Theater weiter geschlossen bleiben, vor allem freie Künstler um ihre wirtschaftliche Existenz bangen, während trotz steigender Inzidenz-Zahlen wieder fröhlich konsumiert werden darf.

Bilder: Isabel Machado Rios

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