Shockheaded Peter

Bereits zwei Mal musste die Premiere verschoben werden, bevor Peter Jordan das Publikum heute Abend pünktlich um 19 Uhr am Eingang des Hamburger Thalia Theaters zum Live-Stream begrüßen konnte. In seiner launigen Anmoderation führt der Schauspieler, der zwischen 2000 und 2009 im Thalia-Ensemble engagiert war und bei diesem Musical gemeinsam mit Leonhard Koppelmann Regie führt, durch das Foyer und den leeren Saal.

Auf der Bühne ist der Eiserne Vorhang heruntergelassen, das fünfköpfige Ensemble ist gemeinsam mit der Band und den Live-Kameraleuten auf der Vorderbühne eingezwängt. Als punkige Outlaws wurden Julian Greis und Carolin Schirmer zurechtgeschmickt, Merlin Sandmeyer spielt den „Zappelphilipp“ und wirkt in seinen kurzen Hosen sehr schlaksig, Victoria Trauttmansdorff hantiert als Paulinchen mit den überdimensionalen Zündhölzern: in etwas mehr als einer Stunde zieht das Figuren-Arsenal aus dem Kinderbuch-Klassiker „Struwwelpeter“ vorbei.

Julian Greis in „Shockheaded Peter“

Heinrich Hoffmann, Arzt und Psychiater, erschreckte mit seinen Horrorszenarien schwarzer Pädagogik in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten zahlreiche Kinderseelen. Die „Tiger Lillies“, Julian Crouch und Phelim McDermott machten 1998 daraus die Junk-Opera „Shockheaded Peter“, eine bunte Revue von Außenseitern, die aufbegehren. Sie wurde im Londoner West End zum Erfolg und seitdem auch in Deutschland oft nachgespielt.

Das Musical „Shockheaded Peter“ ist eine kurzweilige Show, die mit Musikstilen von Punk über Blues bis Vaudeville spielt und nach dem Lockdown sicher ihr Publikum als leichtere Unterhaltung neben den Klassikerbearbeitungen und Stückentwicklungen im Spielplan-Repertoire finden wird.

Bilder: Fabian Hammerl

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