Zitronen Zitronen Zitronen

Eine autoritäre Regierung setzt per Volksentscheid ein Gesetz durch, das tief in den Alltag der Menschen eingreift: Jeder darf künftig nur noch 140 Wörter benutzen: Bis 2016 war das die Obergrenze für einen Tweet, im Stück des britischen Autors Sam Steiner ist sie das Limit für die gesamte Kommunikation an einem Tag.

Olivia (Maximiliane Haß) organisiert als Aktivistin politischen Widerstand dagegen, unterliegt aber beim Referendum. Ihre neue Partnerin Bernadette (Katrija Lehmann) ist Juristin und prototypische Vertreterin der schweigenden Mehrheit: sie nimmt diese Grundrechtseinschränkung merkwürdig gleichgültig hin.

Das Stück, das die niederländische Regisseurin Anne Mulleners in ihrem Lockdown-Theaterfilm aus dem Botanischen Garten für das Schauspiel Graz inszeniert, verhandelt, wie sich die politische verordnete Einsilbigkeit auf die Beziehung des lesbischen Paares auswirkt, das sich erst vor kurzem kennengelernt hat. Sie streiten über Sinn und Zweck des Widerstands und die Auswirkungen des Gesetzes, probieren aus, wie man die Zensur mit Abkürzungen und Tricks unterlaufen kann, verhandeln vor allem aber über ihre persönliche Befindlichkeit.

Das Gedankenexperiment über Politik, Rede- und Meinungsfreiheit kommt deshalb leider nicht über eine recht banale Soap hinaus.

Bild: Lex Karelly

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