All I never wanted

In ihrer satirischen Mockumentary „All I never wanted“ führen die beiden Regisseurinnen Leonie Stade und Annika Blendl die Mechanismen von Film- und Modebranche vor. Sie nehmen die #metoo-Abgründe und die Brutalität eines Betriebs aufs Korn, der seinem Publikum eine Glamour-Welt aus Schönheit, Jugendlichkeit und Sex-Appeal verkaufen möchte und Menschen, die nicht mehr ins Raster passen, eiskalt abserviert.

So geht es zum Beispiel der TV-Kommissarin (gespielt von Mareile Blendl), die Anfang 40 ist, aus der Serie rausgeschrieben und durch eine Jüngere ersetzt wird. Ihre letzte Chance sieht sie darin, in der Provinz eine Theaterrolle zu übernehmen, gerät aber an einen manisch herumschreienden Regisseur (Jochen Strodthoff), der im Namen einer Kunst-Religion viel zu oft ihre Schamgrenzen übertritt. Das durchleiden aber auch die Teenagerinnen, die von einer Mode-Karriere in Mailand träumen, von Casting zu Casting hetzen und mit Schulden wieder nach Hause geschickt wurden, wenn sie auf dem „Fleischmarkt“ nicht für gut genug befunden wurden. Nina (Lida Freudenreich) ist eines dieser Mädchen, das von der Model-Karriere träumt, eine Enttäuschung nach der anderen erlebt und einen hohen Preis dafür zahlt, als sie sich durchbeisst.

Lida Freudenreich

Die beiden Frauen sind die Protagonistinnen dieser Mockumentary über fiktive Figuren und sehr reale, manchmal etwas überspitzt dargestellte Zustände in der jeweiligen Branche. Zwischen den Schauplätzen Lindau und Mailand springt die Handlung hin und her, das verbindende Element ist eine angebliche Dokumentation, die Blendl und Stade über die beiden Frauen drehen wollen. Dafür brauchen sie das Geld eines schmierigen Produzenten (gespielt von Alexander Beyer), der die Regisseurinnen ins Bett bekommen möchte und auf eine Glamour-Erfolgsstory hofft.

In ihrem zweiten gemeinsamen Film nach „Mollath – und plötzlich bist du verrückt“ feierte im Juli 2019 beim Filmfest München in der Reihe „Neues Deutsches Kino“ seine Premiere. Sie halten der Festival-Welt der roten Teppiche den Spiegel vor und spielen mit den Phrasen und Klischees der Glamour-Branchen.

Bis 26. Juni 2021 ist „I all never wanted“ in der ARD-Mediathek verfügbar.

Bilder: Filmfest München 2019

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