Alice

Sehr frei nach dem Klassiker „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll denkt die dreifache Hauptfigur über Schein und Sein, Traum, Wahn und Wirklichkeit nach.

Näher am Film als am Theater ist dieser Lockdown-Hybrid, der Gedankensplitter an den nächsten reiht. Als Szenen-Trenner werden markante Sätze aus der Roman-Vorlage eingeblendet, über die die dreifache Alice gemeinsam mit weiteren Figuren aus dem Carroll-Kosmos wie dem weißen Kaninchen oder der Herzkönigin und sinniert.

Ellen Dorn als Kaninchen

Bewusst verzichten Anna-Elisabeth Frick und ihre drei Spielerinnen auf einen geradlinigen Plot, stattdessen bieten sie dem Publikum vor den heimischen Rechnern kurze, skurrile Episoden. Überdeutlich stellen sie die schwierigen, ungewohnten Bedingungen dieser Produktion aus, rücken Bluescreen- und Greenscreen ins Bild, bevor die Kamera wieder kurz nach draußen in eine menschenleere Stadt schwenkt.

„Alice“ ist ein assoziativer, nur 48 Minuten kurzer Film, der im Theater Kiel entstand: Die eigenwillige Annäherung an eine berühmte Vorlage ist vor allem ein Lebenszeichen des Theaters in dieser unübersichtlichen Situation, in der es zwischen Modellprojekten und Forderungen nach einem härteren Lockdown zwar tägliche Profilierungs-Möglichkeiten für Möchtegern-Kanzlerkandidaten, aber auch nach vielen Monaten noch keine Perspektive für die Künstler gibt.

Bilder: Olaf Struck

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