Selbstvergessen

Hin und wieder sind die sechs Jugendlichen auch glasklar und in Großaufnahme zu sehen. Doch sehr schnell verschwimmen die Konturen wieder, versinkt alles im Halbdunkel, hinter Schlieren und einem Grauschleier. Die Kamera-Führung und Videotechnik des Trios Lennart Löttker, Jonas Klipp und Nora Josif spiegeln das Krankheitsbild der Demenz, bei dem die Betroffenen die Orientierung verlieren, klare Momente immer seltener werden, bis die Pflegebedürftigen engste Verwandte nicht mehr wiedererkennen.

Aus der Sicht von sechs Teenagern zwischen 10 und 19 erzählt die Stückentwicklung „Selbstvergessen“, die Gernot Grünewald mit dem Jungen DT erarbeitet hat, von dieser schrecklichen Erkrankung. Alle mussten miterleben, dass ihre Großeltern an Demenz litten, manche sind bereits verstorben. Die Jugendlichen rufen sich in Erinnerung, wie sie zum ersten Mal merkten, dass sich die Großeltern veränderten. Sie erzählen davon, wie sie immer wieder dieselbe Frage beantworten müssen.

Paula Aschmann spielt nach, wie sie mit dem Großvater das Fotoalbum durchblätterte, er aber nicht mehr sagen konnte, wie alt er auf den Jugendfotos war und sich schließlich selbst nicht mehr wiedererkannte. Lasse Kühlcke spricht lippensynchron die eingespielte Aufnahme eines Gesprächs mit seiner Großmutter nach, in der sie über den Tod, das Loslassen und die Angst vor dem Sterben sprechen. Die Großeltern sind in einigen Szenen als Masken präsent, die Mike Schmiedel nach ihren Bildern entwickelt hat.

Sehr authentisch erzählen die jungen Spielerinnen und Spieler in diesem Live-Stream aus der DT-Box von ihren persönlichen Erfahrungen. Es gibt keine finale Textfassung, nur die Szenenfolge ist festgelegt.

Bild: Arno Declair

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