Dekalog

Als zehnteilige Produktion fürs polnische Fernsehen konzipierten der zu früh verstorbene Regisseur Krzysztof Kieślowski und sein Drehbuch-Co-Autor Krzysztof Piesiewicz ihren „Dekalog“: je eine Stunde lang dauerten die Kammerspiel-Dramen, in denen die alttestamentarischen Zehn Gebote in ein alltägliches Setting übersetzt wurden.

Als Theaterstoff wird diese TV-Serie in letzter Zeit häufiger genutzt: vor einem Jahr versuchte sich Christopher Rüping als Hausregisseur des Schauspielhauses Zürich an einem Online-Format, das wie die Vorlage als zehnteilige Serie angelegt war, jedoch mit technischen Unzulänglichkeiten zu kämpfen hatte und auch inhaltlich nicht überzeugte.

Auf einen Theaterabend möchte Calixto Bieito seine „Dekalog“-Version kompromieren. Sobald die Theater wieder öffnen dürfen, soll seine Inszenierung mit großem Ensemble auf der Bühne des Münchner Residenztheaters zu sehen sein. Am Wochenende stellte er vorab eine 25minütige „Sneak Preview“ online: kurze Splitter, jeweils nur wenige Minuten kurze erste Eindrücke der zehn Szenen.

Robert Dölle im Würgegriff von Christian Erdt

Die Collage der kurzen Schnipsel lässt nur erahnen, wie die komplette Inszenierung wohl aussehen wird: formstreng und sehr düster wirken die ersten Eindrücke. Begleitetet von christlichen Chorälen und sakralen Klagegesängen wird klassisches Schauspielertheater geboten. Bei den ersten Splittern bleiben Schockeffekte und Provokationen aus, mit denen der spanische Star-Regisseur in den vergangenen zwei Jahrzehnten das konservative Opern-Publikum an den großen Häusern immer wieder verstörte und der Boulevard-Presse Futter für reißerische Skandal-Schlagzeilen lieferte. Die „Sneak Preview“ weckt Neugier auf das Live-Erlebnis dieser Inszenierung.

Bilder: Birgit Hupfeld

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