Ghetto

Als Stück des Jahres wurde das Zeitgeschichtsdrama „Ghetto“ des israelischen Dramatikers Joshua Sobol 1984 in der Bundesrepublik gefeiert: Peter Zadek inszenierte es an der Freien Volksbühne in West-Berlin mit Ulrich Tukur als fiesem SS-Offizier, Esther Ofarim als der von ihm angebeteten Sängerin und dem Klarinettesten Giora Feidman.

Hin und wieder steht das Stück noch auf dem Spielplan, aktuell gibt es eine Neuinszenierung von Malte C. Lachmann am Theater Lübeck: die Premiere im November 2020 fiel dem Lockdown zum Opfer, einige Monate später hatte die Inszenierung am 30. April ihre Stream-Premiere.

Anders als bei vielen anderen Produktionen, die in den vergangenen Wochen zu sehen waren, versuchen Lachmann und sein Team nicht, das Stück in einen Theaterfilm-Hybrid zu übersetzen, sondern erzählen die Geschichte aus dem Ghetto von Vilnius als klassisches Stadttheater, das mit der Kamera abgefilmt wird.

Henning Sembritzki, Sven Simon

Bauchredner Srulik ist eine der Hauptfiguren dieses Dramas. Mit seiner Handpuppe Lina und ihren frechen Kommentaren sorgt Will Workman für die komisch-heiteren Momente in diesem Kriegsdrama.

„Ghetto“ ist ein klassisches Ensemble-Stück, das vor allem für zwei markante Rollen viel Schauspielerfutter liefert: den sadistischen SS-Offizier Kittel, den Andreas Hutzel mit aasigem Grinsen spielt, und die von ihm verehrte Sängerin Chaja, gespielt von Kathrin Harnak, die den 100minütigen Abend mit jiddischen Liedern auflockert. Sie bilden den Rahmen für den Konflikt zwischen Gens (Henning Sembritzki), der sich als Leiter des Ghettos mit den Nazis arrangiert, und Kruk (Heiner Kock), der als Aktivist des Sozialistischen Bunds auf Widerstand setzt.

Bilder: © Falk von Traubenberg

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