Mailles

Ein kleiner, poetischer Abend ist „Mailles“, die neue Choreographie von Dorothée Munyaneza, die kurz vor dem Lockdown im Oktober 2020 im wallonischen Charleroi Premiere hatte. Ein Mitschnitt wurde heute bei den Internationalen Schillertagen Mannheim präsentiert und ist dort noch bis Mittwoch Abend abrufbar.

Der französische Titel „Mailles“ bedeutet so viel wie Maschen, die sich zu einem Ganzen verweben. Munyaneza, die aus Ruanda stammt, stellt fünf schwarze Frauen vor, die ihr in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen künstlerischen Konstellationen begegnet sind. Sie erzählen in Spoken Word Performances in ihren jeweiligen, auf Englisch untertitelten Muttersprachen ode bieten kleine tänzerische Soli. Diese einzelnen Fäden führt Munyaneza, die auch selbst auf der Bühne steht, immer wieder zu Gruppen-Szenen zusammen, in denen die Frauen gemeinsam tanzen, singen oder musizieren.

Der etwas mehr als einstündige Abend ist geprägt von heftigen Stimmungswechseln und häufigen Rhythmus-Variationen. Lebensfreude mit „We are alive“-Jubelschreien steht neben Miniaturen von Schmerz und Trauer. In der Choreographie wird jedoch nichts plakativ erklärt, sondern meist nur angedeutet.

Wer „Mailles“ live und ganz analog sehen möchte, hat am 14./15. August an der Berliner Volksbühne die Chance. Dann soll Munyaneza mit ihren Mitstreiterinnen beim „Tanz im August“-Festival auftreten, bei dem sie zuletzt 2017 im HAU mit „Unwanted“, einem Stück über Vergewaltigungs-Traumata und den Genozid in Ruanda von 1994, zu Gast war.

Die kraftvollen Stimmen der Frauen haben die Power, auch die Volksbühne mit ihren gnadenlos-gewaltigen Ausmaßen und ihrer herausfordernden Architektur zu bespielen. Allerdings hat „Mailles“ auch viele stille Szenen und Miniatur-Soli, die auf der großen Bühne wesentlich verlorener wirken dürften als im Mannheimer Festival-Stream.

Bilder: Leslie Artamonow

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