Dark Room Revisited

Traditionell beendet das Gorki Theater seine Spielzeit mit einem queeren Festival: „Pugs in Love“ bot neben einigen Lesungen, Gesprächen und Konzerten den Theaterfilm „Dark Room Revisited“, den Paul Spittler nach einer assoziativen Text-Collage von Jchj V. Dussel im Berliner Szene-Tempel SchwuZ drehte.

Elena Schmidt beklagt im Eröfnungs-Monolog das jahrtausendealte Versteckspiel nicht-heteronormativer Sexualität und stellt den Dark Room als ein Ausweich-Quartier vor, während Nadja Krügers Kamera im Hintergrund eine Galerie queeren Aktivismus von Rosa von Praunheim bis zur #Actout-Kampagne entlang fährt, an der sich neben Schmidt aus dem „Dark Room“-Ensemble auch Julius Feldmeier im Januar im SZ-Magazin beteiligte.

Dass der Dark Room nicht nur ein Ort der Lust und kein Safe Space ist, klingt schon bei Schmidts Einführung an. Noch deutlicher arbeitet das Banafshe Hourmazdi heraus, die beschreibt, wie sich ein Junge beim zu rücksichtslosen Sex verletzt und unter dem Gelächter und Spott der zombiehaften Figuren, die ihn im Dunkeln befingerten, vor Schmerz schreiend nach draußen rennt. Hourmazdi, die eine der Hauptrollen im Teddy-prämierten Film „Futur Drei“ auf der Berlinale 2020 spielte, und Julius Feldmeier kommen zwar beide aus dem Theater, wurden aber vor allem durch ihre Filme bekannt. Sie spielen hier gemeinsam mit den vertrauten Gorki-Ensemble-Gesichtern Elena Schmidt und Mazen Aljubbeh sowie Knut Berger, der in fast jeder queeren Gorki-Produktion gastiert.

Raphaël Amahl Khouri

Im Mittelteil wechselt der Theater-Film plötzlich ins Freie. Die Kamera folgt Raphaël Amahl Khouri, transgender Arabisch-Deutscher Autor, bei einem Streifzug durch Berlin vom Kotti bis zur Motzstraße. Schmerzhafte Erinnerungen an mehrere Coming out-Etappen und das Staunen beim Ankommen in Berlin prägen diesen autobiographischen Text.

Julius Feldmeier, Banafshe Hourmazdi

Die witzigste Stelle des Films folgt, wenn die Kamera zurück im SchwuZ ist: Hourmazdi ist beim anonymen Sex an einen Reichsbürger geraten, wie sie zu spät merkt, und steigert sich in sprachspielerische Gewaltphantasien rund um die Themen Rechtsstaat, Fremdheit und Anonymität. Während Knut Berge als fiktiver Sparkassen-Angesteller Ulf aus Northeim den Dark Room als den Ort feiert, an dem er sich ausleben kann, zeigt der zwischen den Toiletten kauernde Mazen Aljubbeh die Tristesse und Einsamkeit des Dark Rooms. Die Ambivalenz dieses Ortes bringt Paul Spittlers Theaterfilm schön auf den Punkt.

Bilder: Filmstills aus Dark Room Revisited

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