Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen

Endlich ist Emilia Schüle mal nicht in der klischeehaften Schubladen-Rolle zu sehen, in der sie standardmäßig besetzt ist. In der Tragikomödie „Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen“ spielt sie Marija, eine osteuropäische Vollzeit-Pflege-Kraft, die sich zu Dumpinglöhnen ausbeuten lässt.

Almut (Anna Stieblich) hat sie über eine Agentur engagiert, da sie ihren Vater Curt (Günther Maria Halmer) nicht mehr alleine pflegen kann. In der ersten Hälfte gelingt es dem Filmemacher-Duo Nadine Heinze und Marc Dietschreit recht gut, die Balance zu wahren: die haarsträubenden Arbeitsbedingungen der osteuropäischen Pflegekräfte werden klar herausgearbeitet, Marija leidet zudem darunter, dass Almut ihr das Leben so schwer wie möglich macht und grundsätzlich alles besser weiß.

Nach Almuts Autounfall entspannt sich die Lage für Marija, wird aber doppelt verkompliziert, da Curts schmieriger Sohn Philipp (Fabian Hinrichs) auftaucht und sich in den Kopf setzt, sie als „Pretty Woman“-Erlöser in eine bessere Zukunft an seiner Seite zu führen, und da Curt die Pflegekraft für seine verstorbene Frau Marianne hält.

Philipp (Fabian Hinrichs) und Almut (Anna Stieblich) werden zu Karikaturen

Der Film driftet damit mehr und mehr ins Satirisch-Überdrehte ab, die Nebenfiguren werden zu Karikaturen, das Ende ist zu dick aufgetragen. Über weite Strecken ist „Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen“ ein leichtfüßig-vergnüglicher, märchenhafter, tragikomischer Film über ernste Themen. Johanna Adorjan gab in der SZ allerdings zurecht zu bedenken, dass die Schrecken der Demenz hier vergleichsweise harmlos dargestellt werden: „Aber was auch immer Günther Maria Halmer da spielt – ein Demenzkranker ist es nicht. Sein Auftreten ist viel zu sicher, die Art, wie er geht, zu souverän. Da liegt keine Frage, kein leichter Zweifel in seinem Blick, der seine Unsicherheit verraten würde.“

Seine Premiere hatte die SWR/arte-Koproduktion „Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen“ schon im Januar 2021 bei der Online-Ausgabe des Max Ophüls Filmfestivals in Saarbrücken, am 22. Juli startete er in den Kinos.

Bilder: Copyright Zieglerfilm Baden-Baden

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