Gunda

Dieser essayistische, in strengem Schwarz-Weiß gefilmte Essay von Viktor Kossakovsky steht exemplarisch für das experimentelle Kino, das der Berlinale-Co-Chef Carlo Chatrian in der zu seinem Amtsantritt 2020 neu geschaffenen Encounters-Reihe fördern will.

„Gunda“ verzichtet ganz auf Off-Kommentare oder vordergründigen Aktivismus, setzt stattdessen auf stille, meditative Bilder, transportiert aber dennoch eine klare Botschaft für mehr Achtsamkeit und Respekt vor Tieren. Knapp anderthalb Stunden folgt die Kamera dem Allltag von Gunda und ihren Ferkeln. Nur kurz schweift sie ab, rückt ein Huhn in den Fokus, das auf einem Bein humpelt, oder verharrt bei grasenden Kühen. Menschen kommen zunächst nicht vor. Nur der Stall, den sie für Gunda und ihre Ferkel gebaut haben, und die Zäune, die Gundas Radius eingrenzen, sind Zeichen, dass die Schweine nicht in freier Natur leben, sondern als Nutztiere gehalten werden.

Effektvoll lässt Kossakovsky kurz vor Schluss einen Traktor heranrollen. Das Surren des Motors zerstört die Idylle, die Ferkel werden quiekend in den Anhänger getrieben und zum Schlachthof abtransportier. Gunda bleibt allein zurück und irrt in den letzten Einstellungen im Kreis.

Hollywood-Star Joaquin Phoenix hat diesen Film koproduziert, der knapp anderthalb Jahre und zwei Lockdowns nach der Berlinale-Premiere am 19. August 2021 auch in einigen Programm-Kinos startete.

Bild: © Filmwelt Verleihagentur / Sant & Usant/ V. Kossakovsky/ Egil H. Larsen

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