Hexenjagd

Als Symbol für die Engstirnigkeit einer Dorfgemeinschaft, die sich in einen Wahn aus Verfolgung und Ausgrenzung hineinsteigert, hat sich Raimund Orfeo Voigt, Stamm-Bühnenbildner von Mateja Koležnik, ein enges, düsteres Foyer ausgedacht. Das große Ensemble ballt sich auf engem Raum, der durch Säulen in seinem Zentrum noch weiter begrenzt ist. Nur durch Türen und Öffnungen kann das Publikum Einblicke in einen größeren Raum erhaschen, der mal als Tanzplatz der vermeintlichen Hexen, mal als Wohnung, Gerichtssaal oder Aula dient. Von dort kommen Stimmen aus dem Off, Wispern, Tuscheln, Gesprächsfetzen.

Doch das dramatische Geschehen ballt sich auf dem engen Vorraum, aus dem es für die Spieler*innen kein Entrinnen gibt. Ein kammerspielartiger Thriller schwebte der slowenischen Regisseurin Mateja Koležnik vor, so gegensätzliche Regisseure von David Fincher und Ingmar Bergman nennt sie im Programmzettel als ihre Inspirationsquellen. Doch von deren Filmkunst ist an diesem knapp zweistündigen Abend wenig zu spüren. Koležnik liefert stattdessen – ähnlich wie bei Ibsens „Gespenster“ vor einem Jahr an selber Stelle – konservatives Stadttheater, das sich ganz in den Dienst der kanonischen Texte stellt und wie man es seit dem Ende von Claus Peymanns Intendanz in Berlin sonst kaum noch sieht.

Kostüme und Inszenierungsstil atmen den Geist der 1950er Jahre, in denen Arthur Miller „Hexenjagd“ über den Fanatismus in Salem im 17. Jahrhundert als Parabel auf seine Gegenwart schrieb. Das Stück entstand als Parabel auf die McCarthy-Ära in den ersten Jahren des Kalten Kriegs, als der gleichnamige Senator viele Künstler und Intellektuelle als zu links und „Kommunisten“-Freunde angriff. Was Koležnik und das Berliner Ensemble an diesem mehrere Jahrzehnte alten Text für die Gegenwart interessiert, wird nicht klar.

Marc Oliver Schulze und Bettina Hoppe

Zu sehr schnürt das enge Korsett, in das die Regisseurin und ihr Bühnenbildner den Abend spannen, die spielerischen Momente ein. Hektische An- und Abgänge prägen einen Abend, der dennoch ungewohnt statisch wirkt. Kaum eine Figur kann sich entfalten, zu gleichförmig bleibt die Tonlage der Dialoge, bis sie in das Pathos der Schluss-Szene des Ehepaars Proctor (Marc Oliver Schulze und Bettina Hoppe) münden.

Bilder: Matthias Horn

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