Ammonite

Wortkarg und rau ist der Umgangston zwischen den Charakteren in diesem lesbischen Drama, das an der englischen Südküste in den 1840er Jahren spielt. Schroff und abweisend sind die Gesichtszüge, mit denen sich die beiden Hauptfiguren Mary Anning (Kate Winslet) und Charlotte Murchison (Saoirse Ronan) taxieren. Kaum eine Silbe wechseln die beiden, als sie das erste Mal durch den peitschenden Wind an den Felsklippen vorbei gehen und nach den Fossilien suchen, die das Leben der Paläontologin Mary bisher bestimmen.

Dramaturgisch ist der weitere Verlauf natürlich vorhersehbar: die beiden Frauen kommen sich näher, verlassen ihre Schutzpanzer, fassen Vertrauen und genießen Lust in expliziten Sexszenen. Regisseur Francis Lee macht es sich am Ende aber doch nicht ganz so einfach und verwehrt dem Publikum ein Wohlfühl-Happy end. Die heimliche Beziehung der beiden Frauen bleibt kompliziert.

Der britische Regisseur wurde 2017 mit „God´s own country“ bekannt, das im Panorama der Berlinale lief und als eine Art europäische „Brokeback Mountain“-Variante von der vorsichtigen Annäherung eines englischen Bauern und seines rumänischen Hilfsarbeiters erzählt. Der spröde Stil der beiden Filme ähnelt sich sehr.

Sein neuer Film „Ammonite“ lebt vor allem von der Präsenz der beiden Starschauspielerinnen, die ihm auch eine Einladung nach Cannes 2020 brachte. Das Festival fiel allerdings dem Corona-Lockdown zum Opfer, so dass die Premiere erst im September 2020 in Toronto nachgeholt werden konnte. Kurz danach sollte „Ammonite“ beim Festival „Around the World in 14 films“ in der Berliner Kulturbrauerei gezeigt werden, doch auch die Deutschland-Premiere fiel einem erneuten Lockdown zum Opfer.

Knapp ein Jahr später startete „Ammonite“ am 4. November 2021 im Kino.

Bild: © TOBIS Film GmbH

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