Wieder da!

Endlich nach langen Monaten sind sie „Wieder da!“, jubeln Gayle Tufts und ihr Pianist Marian Lux an diesem Abend im Schillertheater, dem Interimsquartier der Komödie am Kurfürstendamm.

Im September 2020, als die Kunst- und Kulturszene nach dem ersten Lockdown-Schock vorsichtig wieder aufatmete, feierte dieses Kleinkunst-Programm seine Premiere. Bekanntlich folgte schon anderthalb Monate später die nächste Zwangspause, die sich schier endlos bis in den Frühsommer 2021 hinzog.

Jetzt, Mitte Oktober 2021, sind Gayle und Marian wieder einmal wieder da: bestens gelaunt, mit einem Abend, der tatsächlich wesentlich mehr ist als eine Wiederaufnahme, wie Peter Zander in der Berliner Morgenpost notierte. In dem Jahr ist ja auch eine ganze Menge passiert: es wurden nicht nur Keller entrümpelt und Corona-Pfunde auf der Couch angefuttert, wie Gayle Tufts launig kommentiert, sondern endlich gibt es auch einen neuen Amtsinhaber im Weißen Haus.

Die spannendsten Passagen sind jene, in denen die Entertainerin mit dem Denglish-Markenzeichen, die seit drei Jahrzehnten mit ihrem Bremer liiert ist und endlich auch einen deutschen Pass besitzt, aus der Ferne auf ihre Heimat jenseits des Atlantiks blickt: Aufatmen darüber, dass der Mann, dessen Namen sie nicht nennen will, endlich Geschichte ist, mischt sich mit Unverständnis und Wehmut über die tiefe Spaltung der USA. Besser als sein Amtsvorgänger macht Joe Biden seine Sache allemal, aber Begeisterung klingt nicht aus den Worten der Kabarettistin, eher amüsierte Skepsis, wie „Sleepy Joe“ seine Sache wohl in den nächsten Jahren machen wird.

Die knapp zweistündige Show ist eine entspannte Mischung aus selbstironischen Plaudereien über Politik und Gesellschaft, Corona-Lockdown-Aufarbeitung und frischen Songs.

Noch bis 21. November kann man Gayle Tufts und Marian Lux im Schillertheater erleben. Aber mit jedem Tag, an dem neue Inzidenz-Rekorde in der 4. Corona-Welle gemeldet werden, wächst auch die Sorge, wie lange das sympathische Duo „Wieder da!“ sein darf. Zwischen den optimistischen Zeilen der Post-Lockdown-Songs von Gayle Tufts schwingt an diesem Wiederaufnahme-Abend auch viel Ungewissheit mit.

Bild: Konstantin Stell

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