Herr Puntila und das Riesending in Mitte

Selbstironisch spielt die dritte Premiere des neuen Volksbühnen-Intendanten auf den dürren Spielplan an, der deutlich von Produktionen des Hausherrn dominiert. „Die Gewehre der Frau Kathrin Angerer“ prangt über dem Volksbühnen-Imitat, das Nina von Mechow für diesen Abend gebaut hat.

Kurze Verwirrung im Publikum: Haben wir uns im Kalender geirrt? „Die Gewehre der Frau Kathrin Angerer“ wurde doch schon im Frühsommer in Wien aufgeführt und läuft seit einigen Wochen im Repertoire am Rosa-Luxemburg-Platz. Schon wieder derselbe Abend, fragt Astrid Meyerfeldt stöhnend.

Doch schnell kehrt Beruhigung ein: Nein, es wird tatsächlich „Herr Puntila und das Riesending in Mitte“ gespielt. Franz Beil und Meyerfeldt starten das vertraute Ping-Pong im Pollesch-Sound: er steht oben in der Kopie des geschlossenen Theaters, sie ruft verzweifelt von unten.

Dieser Sketch ist Ausgangspunkt für eine vergnügliche, nicht besonders tiefschürfende, aber von den Fans bejubelte 90minütige Show, in der es sprunghaft um fast alles und fast nichts geht: um Theatergeschichte und zentrale Begriffe der Theaterwissenschaft, um Hollywood-Stars und Kultfilme, um das richtige Sprechen und manches mehr.

Christine Groß und Inga Busch sowie ein weiblicher Chor mit Quoten-Mann stoßen dazu und lassen den dritten Pollesch-Abend binnen weniger Wochen sanft dahinplätschern. Das gesamte Ensemble steckt in Wohlfühl-Overalls, ihre Namen sind in großen Lettern aufgedruckt. Ein Gimmick wie der wallende Vorhang aus dem Eröffnungsstück oder das Skelett auf Martin Wuttkes Schultern fehlt diesmal. Selbstreferentiell spult der Abend sein Programm ab. Weitere Überraschungen oder Verunsicherungen bot der Abend nach dem kleinen Einstiegs-Scherz nicht mehr. Die eingeschworene Gemeinde jubelt dennoch beglückt.

Bild: Luna Zscharnt

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