A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe

„Why is this in competition?“, rätselte eine Vertreterin der internationalen Presse, als sie die Vorführung heute Vormittag im Berlinale-Palast verließ.

In der Tat ist „A E I O U“ ein skurriler Fernsehfilm, mit dem man einen vergnüglichen Abend auf der Couch verbringen könnte, der sich in den Wettbewerb eines A-Festivals verlaufen hat. Die Komödie von Nicolette Krebitz lebt vor allem von Hauptdarstellerin Sophie Rois, die sich in Berlin seit ihrer Zeit an Frank Castorfs Volksbühne eine Fangemeinde erarbeitet hat und sich derzeit als Ensemble-Mitglied des Deutschen Theaters Berlin so rar macht, dass sie viel Zeit und Muße hat, die Berlinale mit schrulligen Filmprojekten zu bereichern. Neben „A E I O U“ läuft auch noch „L´état et moi“ im Forum, der Nebenreihe für experimentelle Filme.

Aber auch eine Sophie Rois kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Film während der ersten Stunde sehr gemächlich und ziellos dahinschleppt. Rois spielt die alternde Schauspielerin Anna, die kaum noch besetzt wird und Angebote als Synchronsprecherin ausschlägt, da sie unter ihrer Würde sind und der Partner zu übergriffig ist. Da sie eh keine besseren Angebote in Sicht hat, willigt sie ein, sich logopädisch um den jungen Strafäter Adam zu kümmern, der ihr kurz zuvor die Handtasche geklaut hat und im Schultheater-Projekt überfordert ist.

Wie zu erwarten, kommt sich das ungleiche Paar näher und bricht, nachdem die Theateraufführung zwar gut gelaufen ist, Adrian aber die Schullaufbahn endgültig in den Sand gesetzt ist, zu einem Urlaubstrip an die Côte d´Azur auf. Wie Rois und ihr mehrere Jahrzehnte jüngerer Filmpartner Milan Herms in Bonnie und Clyde-Manier auf Beutezug gehen, ihre frische Liebe genießen und den französischen Kommissar narren, ist ganz hübsch anzusehen. Für den Wettbewerb eines Festivals, das mit Cannes und Venedig konkurrieren will, ist diese Räuberpistolen-Sommerkomödie jedoch zu leichtgewichtig. In einer der Nebenreihen oder auf einem TV-Sendeplatz wäre „A E I O U“ wesentlich besser aufgehoben.

Sophie Rois wird nach dieser Spielzeit und den Berlinale-Ausflügen wieder an ihr Stammhaus zurückkehren, das unter der Intendanz von René Pollesch derzeit noch auf Profilsuche ist. Vielleicht sehen wir dort auch Milan Herms wieder: er war Mitglied der Jugendgruppe P14, war einer der Hauptdarsteller des schönen „Benvolio + Mercutio“-Projekts im 3. Stock und durfte vor einigen Jahren auch schon mal an der Seite von Sophie Rois in einer Castorf-Inszenierung spielen, bevor er heute als ihr jugendlicher Liebhaber auf der Berlinale zu erleben war.

Bild: © Reinhold Vorschneider / Komplizen Film

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.