Coma

Vielversprechend klang das Projekt „Coma“ von Bertrand Bonello: eine essayistische Reflexion über den Lockdown und die Pandemie wurde uns von der Berlinale versprochen. Zu grobkörnigen Bildern beginnt der französische Filmemacher einen Brief an seine 18jährige Tochter, stellvertretend für die Generation, die mitten in ihrem jugendlichen Tatendrang jäh ausgebremst wurde und auf viele Erlebnisse und Erfahrungen verzichten musste, die frühere Generationen ganz selbstverständlich auf dem Weg zum Erwachsenwerden machen durften.

Doch die 80 Minuten sind eine lieblose, oft wirre, assoziative Collage, die sich zu lange um eine Patricia Coma, eine esoterisch-raunende Influencerin und ihren Instagram-Account, dreht. Mit dieser verschenkten Chance konnte Bonello nicht an seine letzten Filme anknüpfen. Mit „Nocturama“, das geschickt mit Thriller-Elementen spielte, oder „Zombi Child“, das elegant zwei Handlungsebenen in einem Mädcheninternat und einem Voodoo-Kult auf Haiti verknüpft, schuf er anregende, experimentierfreudige Werke, die internationale Festivals bereicherten.

Mit „Coma“ verzettelt er sich in einem Assoziationsgewitter. Programmiert wurde dieser Film trotz des prominenten Namens des Regisseurs auch nicht im Wettbewerb, sondern in der vor zwei Jahren neu geschaffenen Sektion „Encounters“, die seit Carlo Chatrians Amtsantritt mit Profillosigkeit zu kämpfen hat. Die Sektion bewegt sich in einem diffusen Zwischenreich von Filmen, die für den Wettbewerb nicht glamourös und groß genug sind, aber auch nicht in die traditionsreiche Experimentier-Nische des Festivals, das Forum, passen.

Eine kleine Fußnote verdient, dass dies einer der letzten Filme ist, in denen wir die Stimme von Gaspard Ulliel hören können. Der Schauspieler, der vor wenigen Wochen im Skiurlaub tödlich verunglückte, spricht Dialoge zwischen Barbie und Ken aus dem Off ein.

Bild: © Les films du Bélier / My New Picture / Remembers

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