Parallele Mütter

Mit Pedro Almodóvar und seiner Hauptdarstellerin Penélope Cruz hat sich das Festival in Venedig im September 2021 zwei Schwergewichte für die Eröffnung gesichert und seinen Anspruch unterstrichen: das zweite A-Festival auf Augenhöhe mit Cannes will man sein. Die Berlinale droht in der Februar- und Corona-Tristesse mehr und mehr den Anschluss zu verlieren.

Während die frühen Werke von Almodóvar eine überschießende Fabulierlust und schnelle, unwahrscheinliche Wendungen auszeichneten, ist der neueste Film des mittlerweile 72jährigen eine über weite Strecken sehr ruhig und schnörkellos erzählte Geschichte, deren Plot sich knapp zusammenfassen lässt.

Zwei Frauen unterschiedlicher Generationen, die selbstbewusste Janis (Cruz) und die Teenagerin Ana (Milena Smit), entbinden am selben Tag, auf der Geburtsstation werden aber ihre Töchter vertauscht. Während Janis langsam Zweifel kommen und sie schließlich Klarheit hat, bleibt Ana fast bis zum Schluss im Irrtum.

Der Film lebt vor allem von der Präsenz seiner Hauptdarstellerin, die in Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet wurde, und der tollen Film-Musik von Alberto Iglesias. Zurecht ist „Parallele Mütter“ auch in diesen beiden Kategorien für einen Oscar nominiert, ging aber bei der Preisverleihung Ende März leer aus.

Zwei Stunden lang bietet Almodóvar altmeisterliches Erzählkino, das weit von seiner jugendlichen Exzentrik entfernt ist, dem Arthouse-Kino-Zielpublikum aber das Herz wärmt. Eine Schwäche dieses Films ist, dass nach der kurzen, tränenreich-melodramatischen Zuspitzung zwischen Janis und Ana, die schnell eitel Sonnenschein weicht, wie als Nachklapp die Rahmenhandlung aus der Einleitung wiederaufgenommen wird und Almódovar in melodramatischen Szenen die Wunden des spanischen Bürgerkriegs mit exhumierten Massengräbern zeigt.

„Parallele Mütter“ lief nach der Venedig-Premiere bereits im Advent als einer der Publikumsmagneten beim „Around the World in 14 films“-Festival in der Berliner Kulturbrauerei und startet nach einigen Verschiebungen am 10. März 2022 in den deutschen Kinos.

Bild: El Deseo / Iglesias Mas

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