Doughnuts

Zur Lounge-Musik von Kazuhisa Uchihashi dreht sich Dominic Hubers Bühne unermüdlich. Auf den Sesseln einer Hotel-Lobby fläzen sich füng Gäste, die eigentlich zu einer internationalen Konferenz wollten, aber im Nirgendwo gestrandet sind.

Johannes Hegemann, der dientbeflissene Rezeptionist, gibt ihnen eifrig Tipps zu Frühstück, Fitness-Raum und Spa, aber das ersehnte zum Konferenz-Ort kann auch er nicht beschaffen. Die Welt draußen scheint im Chaos versunken und der für den Hamburger Herbst und Winter so charakteristische Nebel hat sich über die Stadt gelegt. Gleichmütig palavert das Quintett weiter, sinkt tiefer in die Sessel und redet ebenso unermüdlich wie sich die Bühne dreht und Steffen Siegmund durch den Abend hustet.

Mehr passiert nicht in diesen 75 Minuten auf der Thalia-Nebenspielstätte in der Gaußstraße: eine traumverlorene, skurrile Fingerübung hat Intendant Joachim Lux bei dem japanischen Regisseur Toshiki Okada eingekauft. In Hamburg ist seine Art der storchenhaft-staksenden Körperchoreographien, die Hegemann am besten beherrscht, tatsächlich zum ersten Mal zu sehen. Matthias Lilienthal hat Okada, als er noch die Münchner Kammerspiele leitete, für die deutsche Theaterszene entdeckt. Seine dritte Münchner Arbeit „No Sex„, ein Abend über gestrandete, lebensuntüchtige junge Männer in einer Karaoke-Bar, war damals aufregend, neu und wirklich bemerkenswert, schaffte es aber 2019 nur auf die Longlist des Theatertreffens. Dass Okada ein Jahr später mit „Vacuum cleaner“ zum Theatertreffen eingeladen wurde, war eine klassische Wiedergutmachungs-Entscheidung: die neuere Inszenierung war sehr epigonal, der Regisseur kopierte seinen erfolgreichen Stil, aber der besondere Charme der „No Sex“-Produktion fehlte hier bereits.

Beim Theatertreffen 2020 konnte Okadas Münchner Inszenierung aus bekannten Gründen nur als Stream gezeigt werden. Zwei Jahre später holt die Jury nun seine Hamburger Inszenierung „Doughnuts“ ebenfalls zum Berliner Theatertreffen, die im Mai nun hoffentlich auch live vor Publikum gezeigt werden kann.

Okada hat für seine ungewöhnliche Regie- und Choreographie-Handschrift durchaus eine Theatertreffen-Einladung verdient, aber den richtigen Zeitpunkt für die Einladung hat die Jury 2019 verpasst. Stattdessen wurde er nun zwei Mal mit epigonalen, schwächeren Arbeiten eingeladen, denen das entscheidende Kriterium fehlt: Bemerkenswert ist an „Vacuum Cleaner“ und „Doughnuts“ vor allem, dass Okada seinen Regie-Stil nicht weiterentwickelte, sondern ein bis zwei Schritte hinter seiner stärkeren Arbeit zurückblieb.

Bild: Fabian Hammerl

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