Zwischen den Zeilen

Zwei klischeehaft-verquasselte Stunden lang führt Olivier Assayas, einer der Lieblinge des internationalen Festival-Zirkus, eine Blase von französischen Künstlern und Intellektuellen vor. Sie lieben und hintergehen sich, verarbeiten ihre Affären in autofiktionalen Büchern und ergehen sich ansonsten darin, über den Literaturbetrieb und die Digitalisierung zu räsonieren.

Die Figuren demonstrieren ihre Kunst- und Bildungsbeflissenheit mit Vorliebe damit, dass sie sich gegenseitig mit Zitaten aus Filmen von Ingmar Bergman oder Luchino Visconti malträtieren. Ansonsten plätschern ihre schier nicht ellenden wollenden Wortgeplänkel gefällig an den Oberflächen dahin.

„Doubles vies“ hatte im September 2018 in Venedig Premiere, lief anschließend in Toronto und auf der Viennale, bevor es in den Kinos in der Sommerhitze 2019 versenkt wurde und nun in der arte-Mediathek wiederauftauchte. Die Literaturbetriebssatire ist eine kleine Petitesse, die einer Pariser Schicht den Spiegel vorhält und weder besonders unterhaltsam noch aufregend ist.

Kurz vor Schluss schlägt der Film noch eine selbstironische Volte: Léonard (Vincent Macaigne) und seine Ex-Affäre Selena, zugleich Gattin seines Verlegers (Juliette Binoche), spekulieren darüber, ob der französische Filmstar wohl bereit wäre, den neuen Roman als Hörbuch einzulesen. Ein kleiner Moment zum Schmunzeln in einer ansonsten schnell zu vergessenden Bildungsbürger-Komödie.

Bild: Alamode Filmverleih

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