Transverse Orientation

Slapstick trifft auf griechische Mythologie: so könnte man die neue Choreographie von Dimitris Papaioannou überschreiben, die seit einem Jahr auf Tour ist und im Dresdner Festspielhaus Hellerau nun auch erstmals in Deutschland zu sehen ist.

Recht betulich wirken die Schattenspiele, mit denen der 105minütige Abend beginnt. Das erste starke Bild gelingt mit dem Auftritt des Stiers Minotaurus, der vom Rest des Ensembles unerbittlich nach vorn geschoben wird, Šuka Horn steht nackt auf verlorenem Posten.

Selbstironisch merkte der griechische Star-Choreograph, der 2004 die Ehre hatte, die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Athen zu inszenieren, im Publikumsgespräch an, dass diese neue Arbeit für seine Verhältnisse regelrecht rasant sei. Zu Vivaldi-Klängen erleben wir elegant ineinanderfließende Szenen, die von skurrilem Humor geprägt sind und ästhetisch auch schon einige Jahrzehnte alt sein könnten.

Typisch für „Transverse Orientation“ sind Figurenkompositionen, bei denen jeweils zwei Spieler*innen miteinander zu Fabelwesen verschmelzen. Der Mythen-Mashup mündet auch immer wieder in Momente purer Spielfreude, in denen das Ensemble Quader durch die Gegend schubst oder aus Klötzen einen Turm nachbaut, der sofort in sich zusammenfällt.

Schade ist, dass Dresden wohl die einzige deutsche Station auf der „Transverse Orientation“ bleibt. Ausgerechnet Dresden, das so stolz auf seine glanzvolle Historie ist und auf den traurigen Status quo als Hochburg von Pegida und Querdenkern. Schon die Bahnfahrt bestätigt alle Befürchtungen: die passive Aggressivität, mit der hier Masken verweigert werden, entspricht der Rücksichtslosigkeit des Dresdner Publikums. Kein Wunder, dass gerade dieser Landstrich zu einem Sumpf wurde, in dem besonders hohe Corona-Zahlen ausgebrütet werden. Ein Kulturschock, wenn man kurz zuvor in Wien war und miterlebt hat, mit welcher Selbstverständlichkeit dort die einfachsten Regeln des Miteinanders während der Pandemie eingehalten werden.

Bilder: Julian Mommert

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