Operation Mindfuck

Sie könnten ein Dream Team sein: Gorki-Hausregisseurin Yael Ronen, die mit ihren hochtourigen, mit autofiktionalen Anekdoten spielenden Polit-Komödien ihr eigenes Genre geschaffen hat, und Dimitrij Schaad, ehemaliges Aushängeschild des Gorki-Ensembles, der hier zum zweiten Mal als ihr Co-Autor fungiert, aber leider nicht mehr selbst auf den Brettern seines langjährigen zweiten Wohnzimmers steht. Auch die Themenwahl ist vielversprechend: Trollfabriken, Fake News und Verschwörungstheorien sind höchst relevante Probleme, die die Stabilität unserer Demokratie herausfordern.

Um so enttäuschender ist, dass „Operation Mindfuck“ ein flacher, banaler Abend geworden ist. Einfall reiht sich an Einfall, aber Ronen/Schaad erreichen mit ihrem fünfköpfigen Ensemble nicht mal das Niveau einer unterhaltsamen Nummernrevue. Dafür hat der Abend auch zu viele handwerkliche Schwächen. Alice (Aysima Ergün) und Maze (Maryam Abu Khaled) starten als Neu-Einsteigerinnen frisch von der UdK in der Trollfabrik von Erin (Orit Nahmias) zwar noch mit hübschem Comedy-Tempo, aber die skurrilen Ideen des flachen Plots werden immer abgedrehter. Es wirkt so, als hätte sich das Team bei den Proben und in der Kantine die Bälle zugespielt und jeder durfte noch eins draufsetzen, nichts wurde verworfen, alles einfach aneinandergereiht. Nur noch albern ist Till Wonkas Rolle im zweiten Erzählstrang als sächselnde Karikatur und angebliches ehemaliges Werbegesicht auf der Kinderschokolade, das als Marionette der Spin-Doctors zum künftigen Bundeskanzler aufgebaut werden soll.

Drei Dramaturg*innen werden auf dem Abendzettel genannt, davon ist aber wenig zu spüren. Eine Stadtthester-Produktion, die in wenigen Wochen erarbeitet wird, muss ja nicht gleich den Schliff einer im Writers´Room ausgetüftelten Hochglanz-Serie eines Streaming-Anbieters haben. Aber dieses Ergebnis ist doch sehr enttäuschend.

André Mumot versuchte sich die seichte Komödie im DLF-Fazit-Gespräch schönzureden, dass hier ein ernstes Thema amüsant aufbereitet werde. Auch wenn nicht alle Tiefen ausgeleuchtet werden, bekomme man eine Vorstellung, was hinter den Kulissen des Internets passiere, meinte er. Diese Messlatte hat „Operation Mindfuck“ aus meiner Sicht allerdings unterschritten: „Kontextbrei statt Analyse“ ist nach Esther Slevogts Nachtkritik das Markenzeichen eines Abends, der es sich mit seinen dünnen Befunden gemütlich macht. Das Beste an dem enttäuschenden Abend sind Magda Willis verspiegeltes Bühnenbild und das LSD-artige Videodesign von Stefano di Buduo, das im Schlussbild von Reptiloiden bevölkert wird.

Bild: Esra Rotthoff

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