Die Räuber der Herzen

Einen schönen Moment hat Bonn Parks „Die Räuber der Herzen“: Angelika Richter macht es sich in ihrem Schaumbad gemütlich, hört Obama-Reden an und die Live-Musikerin Fee Aviv Marschall singt ihr Lieblingslied: um das Jahr 2012 geht es darin. Deutschland gedachte der Mordopfer der NSU-Mordserie und Griechenland steckte im Schulden-Strudel, der die EU zu zerreißen drohte. Aber gemessen an Pandemie, Trump und Krieg in der Ukraine wirkte die Welt übersichtlicher und friedlicher – zumindest aus heutiger, nostalgisch verklärender Perspektive.

Doch eine hübsche Idee reicht nicht für einen 100minütigen Theaterabend: Bonn Park versuchte sich an einer Überschreibung von Schillers Jugend-Drama „Die Räuber“, das er mit Motiven aus der Feel-Good-Gangster-Komödie „Ocean´s Eleven“ von Steven Soderbergh mit George Clooney in der Hauptrolle verquirlt. Dieser Hollywood-Film erschien zwar erst 2001, einige Monate nach 9/11, atmet aber noch den Geist der postmodernen Beliebigkeit der 90er Jahre.

Beliebig, albern und banal ist auch der assoziative Mash-up, den Autor Bonn Park im Frühherbst 2021 auch selbst im Malersaal des Schauspielhauses Hamburg inszenierte. Bei den Autor:innentheatertagen polarisiert dieser schwächste Abend des Gastspiel-Programms sehr: viele schütteln den Kopf und winken ab, einige Groupies johlen und trampeln. In dem quietschroten Casino-Ambiente ist das Hamburger Ensemble sichtlich unterfordert, Jara Bihler, die kurzfristog für Sasha Rau einsprang, kämpft sich tapfer durch die wirren Satzaneinderreihungen des Programmbuchs.

Bild: Thomas Aurin

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