Monte Rosa

Zwischen all den großen Namen, den Jelineks und Castorfs, bieten die Autor:innentheatertage am Deutschen Theater Berlin, immer auch den jungen Talenten und Neuentdeckungen Raum. 2019 wurde die Österreicherin Teresa Dopler mit ihrerm skurrilen Paar-Dialog „Das weiße Dorf“ beim Heidelberger Stückemarkt ausgezeichnet.

Einige Lockdowns später kam ihr neues Stück „Monte Rosa“ zunächst in St. Pölten zur Uraufführung und im Januar 2022 im Ballhof Eins des Staatstheaters Hannover auch zur deutschsprachigen Erstaufführung. Diese Inszenierung von Matthias Rippert wurde auch gleich zu den beiden wichtigsten Festivals für neue Dramatik nach Mülheim und Berlin eingeladen.

In einer schmalen Box begegnen sich zwei Bergsteiger (Lukas Holzhausen und Mathias Max Herrmann): sie taxieren sich, prahlen mit Erfahrungen und Muskeln, und suchen einen „Partner“. Sie sind immer peinlich darauf bedacht, dass mit diesem Begriff ein Partner für ihr Bergsteiger-Hobby gemeint sein soll, aber im Lauf der 90 Minuten wird immer deutlicher, dass es vor allem auch um die uneingestandene Homosexualität der Figuren geht. Dies gilt erst recht, als mit Nikolai Gemel ein dritter Akteur auftaucht, der besonders stolz auf seine Agilität und Jugendlichkeit ist.

Die Bergsteiger-Tragikomödie über Männlichkeits-Entwürfe kommt mit knappen Ping-Pong-Dialogen und ist in einer halbrealen Alpen-Traumwelt angesiedelt: Matterhorn und Dolomiten werden immer wieder als vertraute Orientierungspunkte genannt, das Trio spinnt sich aber vor allem in die eigenen uneinangestandenen Sehnsüchte ein.

Auffällig ist, dass die Menschen in Hannover so stolz auf ihr lupenreines Hochdeutsch sind, viele Inszenierungen des dortigen Schauspiels aber sehr bewusst Dialekt in ihre Inszenierungen einbeziehen: Stella Hilb sprach in „Ein Mann seiner Klasse„, das in einem sozialen Brennpunkt in Kaiserslautern spielt, im Pfälzer Dialekt, diesmal lassen der Schweizer Lukas Holzhausen (Regisseur des zum Theatertreffen eingeladenen Abends) und der Österreicher Nikolai Gemel (Hauptdatsteller jenes Abends) ihre Heimat-Idiome durchschimmern.

„Monte Rosa“ bleibt hinter diesem tt-Überraschungshit zurück: Teresa Doplers skurrile Fingerübung ist ein kurzer Abend für die kleine Bühne in den DT-Kammerspielen. Die Figuren sind Stereotype, irgendwo zwischen Loriot und Godot, wie die Hannoveraner Lokalzeitung „Neue Presse“ ihre Premieren-Besprechung treffend titelte.

Bild: Kerstin Schomburg

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