Massive Talent

Vom Superstar der 1990er zum belächelten B-Movie-Fließband-Arbeiter: so könnte man Aufstieg und Fall der Karriere von Nicolas Cage beschreiben. Mit Action-Blockbustern wie „The Rock“ oder „Face/Off“, Dramen wie „Leaving Las Vegas“, mit dem er 1995 einen Oscar gewann, und nicht zu vergessen „Wild at Heart“ von David Lynch startete Cage durch und machte ein Vermögen, das ihm nach der Jahrtausendwende zwischen den Fingern zerronnen ist. Fast manisch drehte er gegen seine Schulden an, einen schnell vergessenen Flop nach dem anderen, nur noch ein Schatten seines Ruhms.

Hier setzt Tom Gormican an, Regisseur und Co-Drehbuchautor von „The Unbearable Weight of Massive Talent“, wie die Meta-Komödie im Original heißt: Cage spielt darin sich selbst, einen abgehalfterten Schauspieler, der seine Zenith längst überschritten hat und in alten Rollenmustern festhängt. Was auf den ersten Blick wie ein Film für Nerds und unverbesserliche Cage-Fans klingt, entwickelt einigen Charme und Witz. Auf der Autofahrt redet das jüngere Cage-Alter ego seinem aktuellen Ich ins Gewissen und auch sonst beweist der Ex-Superstar erstaunlich viel Selbstironie.

Eingebunden ist diese Reflexion über Aufstieg und Fall eines Leinwandheroen in eine aberwitzige, manchmal regelrecht alberne Kolportage-Story: Cage und sein Fan, der auf Mallorca lebende Milliardär Javi (Pedro Pascal), arbeiten an einem Drehbuch und verstricken sich in eine CIA-Aktion gegen lateinamerikanische Drogenkartelle sowie die Wirren um die katalanische Unabhängigkeitsbewegung . Der Film kopiert und persifliert den Stil einer 90er Jahre-Actionkomödie, schlägt Haken und schafft es, noch allerlei Verbeugungen vor dem Kino unterzubringen. Ein Film, der es schafft, so unterschiedlichen und auf ihre jeweils ganz eigene Art gelungenen Werken wie „Das Cabinett des Dr. Caligari“ oder „Paddington II“ die verdiente Reverenz zu erweisen, ist auch geschmackssicher genug, auf dem schmalen Grat zwischen Action-Trash und Meta-Komödie zu balancieren, ohne abzustürzen.

„Massive Talent“ hatte im März 2022 beim texanischen Indie-Festival South by Southwest Premiere und startete vor zwei Wochen in den deutschen Kinos.

Bilder: Lionsgate

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